Kulturfahrt 1.-8.6.2019 in die Île de France - Bericht von Dr. Uschi Renner

Für die diesjährige "Kulturfahrt" hat sich unsere 1. Vorsitzende Claudia Ebert wiederum einen Höhepunkt der vielen schönen und lohnenswerten Regionen Frankreichs ausgesucht - und wie immer war die Reise bestens organisiert!

Bei schönstem Wetter ging es in das nordwestlich von Paris gelegene, sehr ländliche Departement Val d’Oise, in die Nähe von Pontoise, nach Enneryim regionalen Naturpark Vexin francais. Unterwegs wird für Sonntagabend eingekauft, und es gibt einen Sektempfang mit dem ausgezeichneten Roten von Hans und mit den wie immer toll schmeckenden und aussehenden Quiches von Uli. Die anderen Kuchen der zahlreichen Bäckerinnen heben wir uns für spätere Anlässe auf.

Das schmucklose Hotel liegt an einem Golfplatz, auf einem Hügel, und bietet abends einen tollen Blick auf die in der Ferne leuchtende Metropole – man erkennt sogar den Eiffelturm. Nach dem Einchecken fahren wir ins sehr gute Restaurant „Le Capriccio“ nach Génicourt. Wir genießen gegrillte Artischocken, Fischfilet mit Safran-Butter-Sauce und Crèpes mit Karamel – köstlich. „Zuhause“ gibt es noch einen Absacker auf dem Parkplatz.

Am Sonntag werden wir von einem ausgezeichneten Frühstücksbuffet mit u.a. feinsten Croissants überrascht. Nach einer längeren Busfahrt wandeln wir in Auvers-sur-Oisebei herrlichem Wetter auf den Spuren von Vincent Van Gogh (30.03.1853 – 29.07.1890). Die Einheimischen sind bei der Suche nach dem zwar an der Hauptstraße, aber etwas versteckt liegenden Tourismusoffice nicht hilfreich. Dort treffen wir nämlich unsere Führerin. Sie spricht sehr gut Deutsch und führt uns durch den hübschen Ort von Motiv zu Motiv, wie z.B. das fahnengeschmückte, kleine Rathaus. Van Gogh hat hier in seinen letzten Monaten über 80 Bilder gemalt. In der Auberge Ravoux stehen wir in seiner winzigen Sterbe-kammer – er hatte sich in die Brust geschossen und hierher geschleppt - und auf dem Friedhof draußen vor der Stadt vor seinem schlichten Grab. Sein Freund Charles Francois Daubigny, dessen Atelier wir auch besichtigen, hatte hier das „schwimmende Atelier“, ein umgebautes Boot, erfunden, der Beginn der Freiluftmalerei. In Daubignys Atelier gibt es eine Sonderausstellung: Karrikaturen von Daumier über Europa aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg, die seltsam aktuell sind… Abends gibt es ein vergnügtes Picknick auf der vernachlässigten Terrasse des nahen Schloss Hermitage unter alten Bäumen. Deren Restaurant hat nämlich sonntags zu. Und wieder einen Rotwein-Absacker auf dem Parkplatz.

Am Montag ist es grau und trüb, und die Temperaturen sind geradezu abgestürzt. Wir bummeln bezaubert durch die traumhaft schöne Gartenanlage von Claude Oscar Monet in Giverny. Sogar die Seerosen blühen! 1890 konnte er das bislang gemietete Haus kaufen und weiteres Gelände dazu, um es gärtnerisch anzulegen, den späteren „japanischen Garten“ mit dem berühmten Seerosenteich. Am 5.12.1926 ist Monet gestorben und wurde im Garten beerdigt. 1874 etablierte sich der Begriff „Impressionisten“, erfahren wir. Eine Unzahl von Touristen befindet sich mit uns im Gelände, und beim Rundgang durch das Haus heißt es erst einmal anstehen. Sein zuletzt gebautes, großes Atelier in einem Nebengebäude ist heute der Shop. Es beginnt zu regnen, aber Rauchopfer von Uschi lassen den Regen bald versiegen, und es wird wieder freundlich. Auf dem Parkplatz bauen wir unser Picknick auf. Irene und Dr. Peter Worst haben kenntnisreich eine Weinprobe – diverse Chablis und einen roten Beaujolais – zusammengestellt und erläuterten uns die Bedeutung des Weinanbaus in Frankreich (800.000 Hektar). Abends essen wir im Restaurant des Schloss Hermitage. Wir genießen Melone und Serrano-Schinken, Dorade mit Gemüseschiffchen und Blätterteig mit Erdbeeren und Eis. 

Am Dienstag verlassen wir Ennery, und fahren bei zunächst strömendem Regen in den nördlichen, ärmlichen Vorort von Paris, St Denis. Die dortige Kathedrale (UNESCO Weltkulturerbe) gilt als einer der Gründungsbauten (1120 unter Abt Suger) der Gotik und ist seit dem 6. Jahrhundert die Grablege der Merowinger, Karolinger und der französischen Könige. Tatsächlich sind es oft leere Sarkophage, weil während der französischen Revolution sehr viel zerstört worden war. Wir besichtigen mit bequemen Audioguides. Wir fahren weiter. Nur wenige Kilometer vom Moloch Paris entfernt fahren wir wieder durch ausgeprägt ländliche Gegenden mit nur wenigen Ortschaften. Am späten Nachmittag kommen wir – nach einem Abstecher in Le Meaux, bekannt für seinen Käse und seinen Senf, aus dem wir nur dank der stupenden Fahrkünste von Rolf überhaupt wieder herauskamen, und nach einem Picknick im Grünen – in Provinsim Departement Seine-et-Marne an, UNESCO Weltkulturerbe, im Mittelalter ein wichtiger internationaler Messeplatz. Es ist wieder schön und warm geworden. Das IBIS-Hotel liegt ca 15 Minuten Fußweg von der Stadtmauer der Oberstadt entfernt. Wir essen im Hotel. Geboten werden Lachstartar mit Guacamole, sehr gutes Rindergulasch und Profiteroles. 

Am Mittwochmorgen bietet das schlichte IBIS ein sehr gut bestücktes Frühstücksbuffet mit sensationell guten Croissants. Dann besichtigen wir bei zunächst strömendem Regen und sehr übersichtlichen Temperaturen mit einem ausgezeichnet deutsch sprechenden Führer die Oberstadt mit ihren vielen Fachwerkhäusern: Die Stadtmauer (13. Jh) – es sind immerhin 1,2 km erhalten - und das Tor St Jean, die Zehntscheuer, die während der Messezeiten an Händler vermietet wurde, den Place du Châtel und das Machtsymbol der Grafen der Champagne, den Cäsarturm (12. Jh), den die meisten von uns erklimmen, um die schöne Aussicht über das Städtchen und das liebliche Umland zu genießen. Am Nachmittag – es ist wieder schön geworden – zeigt uns der Führer noch das Stadtmuseum mit u.a. einer Babyklappe aus dem 18. Jh. und wandert mit uns die Stadtmauer entlang. Schließlich stehen wir in der nie vollendeten Stiftskirche Saint-Quiriace, daher mit nur kurzem Langschiff, mit ihrem beein-druckend hohen, gotischen Innenraum. Abends gibt es im Hotel rohes Gemüse mit Saucen, Ente und Pannacotta. Es ist sehr kühl geworden, und es stürmt, aber Gewitter finden woanders statt. 

Am Donnerstag fahren wir bei grauem und sehr kühlem Wetter zum pompösen Schloss Fontainebleau, UNESCO Weltkulturerbe, in dem seit dem 12. Jh bis Napoléon die Könige ihre Apartments eingerichtet haben. Papst Pius VII. verbrachte hier 1812–1814 seinen Hausarrest. Fontainebleau, verpartnert mit Konstanz, ist von ca 15.000 Hektar, einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete Europas, umgeben. Es gibt Siedlungsspuren bis in die Steinzeit. 1067 kaufte der König den größten Teil dieses Landes und baute ein Jagdschloss. Ludwig IX. der Heilige errichtete zusätzlich ein Krankenhaus. Hier wurde Philipp der Schöne geboren. Franz I. baute dann ein richtiges Schloss. Unter Ludwig XIV wird der Wald weiter aufgeforstet. Das Edikt von Fontainebleau von ihm vertrieb die Hugenotten. Napoléon dankte hier ab: 34 Herrscher blieben dem Schloss über 700 Jahre treu. Viele Touristen und Schulklassen schlendern wie wir mit Videoguides durch die endlosen Räume der diversen Flügel, die sog Bibliothek, die prachtvolle Galerie von Franz I., der unter Ludwig XVI. fertiggestellten Schloßkapelle mit sehr viel Marmor, den Ballsaal (16. Jh), etc. Den sonnigen Nachmittag verbringen wir im hübschen, gepflegten Örtchen Barbizon, geliebt von Freiluftmalern wie Corot, Millet, Théodore Rousseau, etc. dank der 1844 eingerichteten Zugverbindung mit Paris. Wir besichtigen ihren damaligen Treffpunkt, die Auberge Ganne, und kommen im Wald, bei den Felsen – eine Felsformation ähnelt gar einem Elefanten – , auf dem „Circuit des Peintres“, ihren Motiven auf die Spur. Auf dem Parkplatz werden die restlichen Kuchen verspeist, zu Kaffee und/oder Rotwein. Abends essen wir vergnügt in Provins im liebevoll dekorierten Restaurant Croix d’Or, dem ältesten der Stadt, beäugt von Ritterrüstungen. Es gibt eine hausgemachte Geflügelterrine, Entenconfit mit Kartoffelküchlein, einen regionalen Brie und Apfel-kuchen. 

Am Freitag steht das charmante Schloss Vaux-leVicomtemit seiner berühmten Gartenanlage auf dem Programm. Das Schloss gehörte Nicolas Fouquet, dem Finanzminister von Louis XIV. Er hatte die damals innovative Idee, den Architekten Louis Le Vau, für die Innenausstattung Charles Le Brun und für die Gartenanlage Charles Le Nôtre zusammen für ein Gesamtkunstwerk zu engagieren. Am 17.08.1661 organisierte Fouquet für seinen König und 1.000 Gäste ein gewaltiges Fest incl Feuerwerk. Kurze Zeit später wurde er verhaftet; die Inneneinrichtung und große Teile der Gartenanlage wurden nach Versailles gebracht…Le Nôtre hat ab 1662 die Gartenanlagen von Versailles geschaffen und wurde 1675 in den Adelsstand erhoben. Es ist leider grau, so um die 15 Grad kühl und ungemütlich windig. Gegenüber der Schloßanlage, auf einem Hügel, steht eine vergoldete Statue des Herkules, von der aus sich ein phantastischer Blick auf die Gesamtanlage mit ihren vielen symmetrisch angelegten Wasserbassins bietet. Unverständlicherweise sind alle Wasserspiele abgestellt, und es wird, trotz Hauptsaison, überall im Park heftig gewerkelt. Auch hier befinden sich viele Touristen und Schul-klassen. Mit dem Audioguide durchschreiten wir die geschmackvoll dekorierten Räume und im Untergeschoss den Gesindesaal und die riesige Küche, auf deren gewaltigen Arbeitstisch ein Wildschwein abgelegt ist. Obelix läßt grüßen! In einem Verließ wird gar „der Mann mit der eisernen Maske“ von einer Puppe verkörpert, der bei Intrigen rund um das Königshaus eine zentrale Rolle gespielt, ja möglicher-weise sogar des Königs Halbbruder gewesen sein soll… Am Nachmittag hatten wir „frei“ für z.B. die Unterstadt von Provins mit der Kirche St. Ayoul, dem Turm Notre-Dame-du-Val, dem Jardin Garnier und vor allem dem Rosengarten. Schließlich ist Provins auch die „Stadt der Rosen“. Abends essen wir im Hotel, es ist wieder sehr gut mit Caprese, Entenschlegel mit Kürbissauce und Schokoladenküchlein mit Himbeeren. 

Am Samstag fuhr uns Rolf Farrenkopf gemütlich zurück ins warme Schriesheim.

Kulturfahrt - 2.-10.6.2018 - Ein Bericht von Martha Berg

Das südliche Rhonetal und zum Abschluss Ausflüge in und um unsere Partnerstadt Uzès - das waren die Ziele für unsere diesjährige Kulturfahrt. Eigentlich kennen wir alle diese Region; aber immer wieder gelingt es Claudia Ebert, Ziele neu zu entdecken und Highlights zu finden – so auch dieses Mal. Eine gut ausgewählte, interessante Route im und abseits des Rhonetals und die entsprechenden Hotels – so konnten wir eine Woche genießen, die wohl vorbereitet und organisiert war! Die Broschüre von Ingrid Gängel vermittelte uns eine Einstimmung mit den vielen organisatorischen Details, aber auch mit historischen Hintergründen der Ziele, die uns erwarteten. Beim Sektempfang zusammen mit einer Quiche Lorraine (von Uli Reinig in dreifacher Ausfertigung gezaubert!) fanden wir uns kurz hinter Besancon mittendrin im Geschehen... – auch Essen und Trinken sind Teil der Kultur! 

Vienne im Departement Isère war das Endziel für diesen ersten Tag – es blieb unterwegs aber noch Zeit für einen Besuch der kleinen Stadt Pérouges. Durch Flachsanbau und der damit verbundenen Leinenweberei war Pérouges im Mittelalter eine reiche Gemeinde geworden, häufig stark umkämpft. Auf einem Hügel gelegen, hat sie sich ihr pittoreskes Aussehen erhalten können, und nach einer weitreichenden Renovierung Anfang des 20. Jh. dient sie heute oft als Filmkulisse! Wir hatten das Glück, dass an unserem Besuchstag die „Fete de Baptème de la Rose de Pérouges“ stattfand – die Häuser und Plätze waren aufwändig und schön mit roten Rosen geschmückt! Der Sonntag führte uns zu der großen Ausgrabungsstätte in Saint-Romain-en-Gal – auf der rechten Seite der Rhone (gegenüber der Stadt Vienne) hatte man bei Beginn der Bauarbeiten für ein Gymnasium wunderschöne Mosaiken aus römischer Zeit entdeckt. Die Arbeiten wurden gestoppt, und stattdessen machten sich Archäologen ans Werk – sie fanden die Grundmauern einer römischen Stadt! Besiedelungsspuren weisen weit zurück in die Jungsteinzeit – im Jahre 121 v.Chr. aber wurden die keltischen Stämme der Allobroger und Averner von Quintus Fabius Maximus besiegt, und unter Kaiser Caligula (37-41 römischer Kaiser) wurde die Region zur römischen Kolonie; in der römischen Kaiserzeit wurde Vienne sogar zweite Hauptstadt Südgalliens. So fanden sich zahlreiche Spuren römischer Wohnanlagen aus dieser Zeit sowie viele weitere Mosaiken und Wandmalereien – beeindruckend in ihrer Schönheit, Vielfalt und Ausdehnung. Direkt am Ufer der Rhone wurde ein spektakulärer Museumsbau errichtet zur Ausstellung dieser Kostbarkeiten – die Führung durch das Museum erläuterte uns die Details, ergänzt durch den anschließenden Gang durch die zum Museum gehörende Ausgrabungsstätte. Die Stadt Vienne, linksseitig der Rhone, konnten wir am Nachmittag bei einer Führung näher kennen lernen – auch hier gibt es zahlreiche römische Spuren, z.B. das antike Theater. Erbaut im 1. Jh. n.Chr., zählte es zu den größten der römischen Welt. Mit einem Durchmesser von ca. 130 m konnte es 11.000 Zuschauern Platz bieten. Die Kathedrale St. Maurice – ein gotischer Bau aus dem 12. Jh. – wurde erst im 16. Jh. vollendet. Die Französische Revolution zerstörte den einst reichen Skulpturenschmuck, aber die Fassade mit ihren drei Portalen ist reich dekoriert und beeindruckt mit einem riesigen Flamboyant-Fenster. Ein denkwürdiges Datum ist der März des Jahres 1312 als das Konzil von Vienne stattfand. Auf Betreiben des französischen Königs Philipp IV. wurde die Zerschlagung des Templerordens beschlossen – eine Wandtafel im Inneren der Kathedrale erinnert daran. Zu sehen sind auch die Reste des römischen „Temple d’Auguste et de Livie“ mit seinen schönen, hochaufragenden Säulen. Ein Rundgang anderer Art durch Vienne „Cours et demeures“ stand für den nächsten Morgen auf dem Plan – ein Gang durch die Höfe und Wohnbezirke des alten Vienne. Immer wieder wurden durch die steigende Einwohnerzahl Erweiterungen der Stadt notwendig, und so manches Mal wurden Straßen begradigt, wodurch schöne Häuserfassaden verloren gingen bzw. neue Fassaden vorgebaut wurden, um die Straßen zu begradigen. An manchen Gebäuden erschließt sich die Schönheit erst durch einen Blick von den Innenhöfen aus, die wir auf diesem Stadtrundgang besichtigen konnten. Ein kleines ehemaliges Kloster, über längere Zeit auch als Hospital genutzt, liegt mitten in der heutigen Wohnbebauung. 

Wir verlassen Vienne Richtung Süden – Carpentras ist die nächste Station. Sonnige Landschaft begleitet uns auf der Fahrt entlang der Rhone, und außer den blühenden Lavendelfeldern gibt es viele Wiesen mit Mengen von Coquelicots, dem leuchtend rot blühenden Klatschmohn. Unterwegs schauen wir uns in Grignan (am Mt. Ventoux) das Museum „Le Village Provencal Miniature“ an mit zahlreichen Santons. Mit einer Vielzahl handgeschnitzter kleiner und größerer Figuren werden Szenen aus den Dörfern der Provence lebensecht dargestellt – liebevoll gestaltet mit ihrer unterschiedlichen Mimik in ihren historischen Kostümen. – Carpentras (schon im Dept. Vaucluse) war Bischofssitz seit dem 6. Jh. und für kurze Zeit auch Sitz des Papstes Clemens V. (1305-1314), bevor er 1309 endgültig nach Avignon umzog. Die vor Philipp le Beau (1285-1314) geflohenen Juden wurden in der Stadt aufgenommen, so dass bereits 1367 eine Synagoge errichtet wurde (die älteste Frankreichs). Besonders sehenswert ist die gotische Kathedrale St. Siffrein – erbaut auf den Ruinen einer romanischen Kirche und benannt nach dem 4. Bischof in Carpentras. Sie wurde im 15. Jh. vom Gegenpapst Benedikt XIII. in Auftrag gegeben und 1519 fertiggestellt; ihre Barockfassade erhielt sie erst im 17. Jh. Der größte Schatz der ehemaligen Kathedrale ist die „Heilige Trense“ – St. Mors. Die Legende besagt, dass diese im Auftrag von Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, im 4. Jh. unter Verwendung eines Nagels des Kreuzes Christi für ihren Sohn geschmiedet wurde. Die Reliquie wurde zur Zeit der Kreuzzüge aus Konstantinopel zurückgebracht und ist seitdem in der Schatzkammer der Kathedrale zu besichtigen. Sie ist auch zum Emblem der Stadt Carpentras geworden. Die Fenster der Kathedrale bestechen durch ihren Flamboyant-Stil der ausgehenden Gotik. Über dem Südportal „Notre Dame“, auch „Porte Juive“ genannt, symbolisiert oberhalb des Stadtwappens die „Boule aux rats“ die von der Zeit angenagte Weltkugel. Von der starken Stadtmauer, die jedoch vornehmlich aus „Image-Gründen“ erbaut wurde, ist noch die „Porte d’Orange“ erhalten, ein mit einem Zinnenkranz versehenes gewaltiges Tor. Eine köstliche Süßigkeit sind die Berlingots – aus Obstsaft hergestellte Bonbons in Form eines Dreiecks, die auch heute noch von Hand gefertigt werden.

Die Weiterfahrt führt uns zunächst nach Venasque. Hoch auf einem schroffen Felsen gelegen in etwa 320 m Höhe war es nahezu uneinnehmbar. Der Blick nach Norden ist von Wolken getrübt – der Mt. Ventoux bleibt heute verhüllt... Die architektonische Geschlossenheit mit idyllischen Plätzen und Brunnen verhalfen dem Dorf zu einem Platz auf der Liste der „Plus beaux villages de France“. Ein altes, bemerkenswertes Gebäude möglicherweise aus dem 6. Jh., wurde auf den Grundmauern eines römischen Tempels errichtet und lange für eine Taufkapelle aus der Merowinger Zeit gehalten. Bei dem „Baptisterium“ handelt es sich um einen ursprünglich quadratischen Raum, der von einem Kreuzgratgewölbe überwölbt ist, umgeben von vier Apsiden mit Halbkuppeln. In einer der Seitenwände finden sich Fragmente eines weißen Marmor-Sarkophags. Das „Taufbecken“, eine achteckige Öffnung im Boden, war wahrscheinlich mit einem Mosaik ausgelegt – neuere Forschungen sind sich aber nicht einig, dass es sich wirklich um ein Baptisterium handelte. Der Altar in der nördlichen Apsis reicht möglicherweise in heidnische Zeit zurück, gleicht aber den tischförmigen christlichen Altären des 4. und 5. Jh., die in dieser Gegend nicht selten sind. Ein besonderes Gemälde findet sich in der Kirche „Notre Dame“ –  ein Kreuzigungsgemälde aus der Schule von Avignon um 1498. Dieses wurde wohl von Ritter von Thezan, dem Gemahl von Siffreine, des letzten Mitgliedes der Familie de Venasque, in Auftrag gegeben. Das Meisterwerk wurde an würdiger Stelle aufgehängt und blieb dort für ca. zwei Jahrhunderte; unter Ludwig XIV. betrachtete man dieses jedoch als altmodisch und hängte es ab. Nahezu drei Jahrhunderte später 1932 entdecke Stiftsherr Sautel das Gemälde wieder, voller Spinnweben und in schlechtem Zustand. Dem Stiftsherrn gelang es, das Gemälde in Paris von Spezialisten des Louvre restaurieren zu lassen. 1937 hatte es einen Ehrenplatz in einer Ausstellung von Kreuzigungsdarstellungen im Louvre – von einer Rückgabe an Venasque war keine Rede mehr! Einer Gruppe bedeutender Künstler und Kunstliebhaber gelang es jedoch mittels einer Unterschriftenaktion, die Abgeordneten und den Bürgermeister von Avignon (Eduard Daladier) zu überzeugen: kurz vor einer wichtigen Wahl (!) wurde das Gemälde an Venasque zurückgegeben und hängt seitdem an seinem Platz in der Kirche, wo es heute noch zu bewundern ist. – Weiter in der Ebene liegt Pernes Les Fontaines; diese kleine Stadt ist eine „wasserreiche“ – 100 Brunnen versorgten die Bevölkerung mit Wasser aus einer Quelle, die Mitte des 18. Jh. entdeckt wurde. Zahlreiche Häuser konnten sehr schön renoviert werden. Beim Stadtrundgang fällt der Blick oft auf den schönen Glockenturm der „Tour d’Horloge“ aus dem 12. Jh. – der letzte Überrest der Burg der Grafen von Toulouse. Einen besonderen Besuch wert ist die „Tour Ferrande“, ebenfalls aus dem 12. Jh. Die Besteigung des alten Gemäuers ist mühsam, aber lohnend. Reich mit Fresken aus dem 13. Jh. geschmückt, stellt sie u.a. die Eroberung Siziliens durch Charles d‘Anjou dar sowie die Enthauptung von Konradin, dem letzten Staufer-Erben. Die damals für die äußerst lebendigen Darstellungen verwendeten Farben (Ocker, Rötel) leuchten noch immer – und diese Farben führen uns zu dem Ziel des nächsten Tages – Roussillon. Die Farbenpracht der Ockerfelsen ist überwältigend! (Ocker aus dem griechischen bedeutet: gelb oder blassgelb.) Alle Schattierungen vom hellen über dunkler getöntes Gelb, Rottöne von hell bis zum dunkel wirkenden Rot bis Braun sind zu sehen! Manche Felsen sind im unteren Bereich hellgelb, und in der oberen Hälfte wirken sie dunkelrot – ein fantastischer Anblick! Und es gibt den „Sentier des ocres“ durch die ehemaligen Abbaugebiete – hier zeigt sich die Farbenpracht von ihrer schönsten Seite. Lange Zeit waren der Abbau und Verkauf von Ocker die Haupteinnahmequelle der Region – 1929 waren es ca. 40.000 t . In der Folge der Weltwirtschaftskrise mussten die meisten Gruben schließen – bis in späteren Jahren ein gewisser Aufschwung stattfand, als das Mineral verstärkt in der Malerei verwendet wurde. Bereits unsere Vorfahren verwendeten zu einem nicht unbeträchtlichen Teil Ocker für ihre Felsmalereien. Eine kleine wissenschaftliche Ergänzung u.a. zu den Ockerfarben hatte Werner Ebert vorbereitet: Ocker ist ein anorganisches Mineral, dessen Teilchengröße u.a. die Farbintensität bestimmt. Ocker enthält nicht nur Eisen (Hämatit) sondern auch Sand (Rötel). Bereits in Mesopotamien war Ocker bekannt – als Schminke für die Damen! Weiter unterscheidet man Pompejisches oder Venezianisches Rot sowie Menninge, was u.a. für die Golden Gate Bridge in San Francisco verwendet wurde. Der uns allen vertraute Begriff der Miniatur leitet sich von der verwendeten Farbe „Minius“ (deutsch: Menninge) ab. – Nach dem Gang durch die farbigen Pfade Roussillions gab es zu Mittag unser Picknick! Wie immer wurden die aus den herrlichen Angeboten der französischen Supermärkte ausgewählten Köstlichkeiten aufgetischt – Paté, Käse, Salami, Oliven, Tomaten, Gurken, dazu ein eigens frisch angerührtes Dressing (Volker Schwarz und Heike Richter-Weiß sind die Könner!) nebst Rotwein und Cidre; dazu köstliches Baguette, das die französischen Bäcker einfach immer gut hinkriegen! Süßes zum Abschluss – ein Dank für die mitgebrachten Kuchen. Auch an unseren Busfahrer Rolf Farrenkopf, der uns immer mit frischem Kaffee versorgte! Und es gab eine erste Weinprobe – Werner Ebert stellte uns zwei Roséweine vor – Tavel, der am Unterlauf der Rhone zwischen Nimes und Chateauneuf-du-Pape angebaut wird; die ca. 2.700 Sonnenstunden pro Jahr schmeckt man! Danach noch ein Terroir. Gegen 17.00 Uhr treffen wir in unserem Hotel in Uzès ein und freuen uns über den Swimming-Pool an diesem herrlich warmen Sommertag!

In Les Baux-de-Provence besichtigen wir am nächsten Vormittag „Carrières des Lumières“ – eine unvergleichliche Bilder-Show in den ehemaligen Steinbrüchen – in diesem Jahr unter dem Titel „Picasso und die spanischen Meister“. In den ansonsten dunklen Räumen umfängt uns „farbiges Licht“ – an die sehr hohen Wände werden Werke von Picasso und weiterer Maler projiziert! In einer fast unwirklichen Atmosphäre, begleitet von passender Musik, sehen wir diese Gemälde und ergänzend Pablo Picasso sehr lebendig in einem Interview. Die vor vielen Jahren (bereits 1935) stillgelegten Steinbrüche wurden 1977 wiedereröffnet als „Cathedrale d’Image“ und dann nach Umorganisationen neu eröffnet 2012 als „Carrières de Lumières“. Es bleibt noch Zeit für einen Gang durch das Dorf Les Baux-de-Provence bevor wir anschließend zu einem weiteren Highlight starten, die „Manade Martini“. Auf dieser Stierfarm werden taureaus (Stiere) gezüchtet zum (unblutigen) Kampf in der Arena, aber auch für sonstige Vorführungen wie Umzüge zu Festlichkeiten etc. Wir sehen zuerst eine große Herde von Muttertieren mit ihren Kälbern (das jüngste war gerade 2 oder 3 Monate alt), und danach fahren wir auf einem großen Leiterwagen hinaus auf das weite Gelände mit den schwarzen taureaus. Die großen, weißen Hörner der mächtigen Tiere lassen sie grandios erscheinen! Eine Riege von 5-6 Gardiens auf weißen Camargue-Pferden halten sie in Zaun. Die taureaus bleiben ca. drei Jahre auf der Manade, bevor sie verkauft werden. Nach diesem beeindruckenden Erlebnis werden wir auf der Manade mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt – gleich zu Beginn gibt es Miesmuscheln, die über offenem Feuer in einer riesigen „Pfanne“ angeräuchert werden durch die vorbeizüngelnden Flammen; in einem Sud von Wein mit Tabasco, Knoblauch und Kräutern ziehen die Muscheln noch – köstlich! Und der reichlich vorhandene Wein weiß, rot oder rosé mundet herrlich dazu! Danach gibt es provenzalisches Essen, köstlich zubereitet und serviert in der urigen Halle der Manade. Der krönende Abschluss war der Auftritt von Regine Pascal – die meisten von uns kennen die Sängerin von verschiedenen Auftritten in Schriesheim (meist zum Mathaise-Markt oder Straßenfest) oder auch von Auftritten in Uzès; sicher in Erinnerung ist uns ihr Vortrag der „Hymne der Camargue“ aus Anlass einer Jubiläumsfeier an der Eure-Quelle in Uzès. Ein herrlicher Abend, und wir nehmen die Klänge dieser Stunden mit auf unsere Rückfahrt ins Hotel.

Eine große Sehenswürdigkeit bleibt noch zu besichtigen – die „Caverne du Pont d’Arc“ (Grotte Chauvet). Diese Höhle liegt im Tal der Ardèche, Nähe der Kleinstadt Vallon-Pont-d’Arc, und ist um 1994 von drei Höhlenforschern entdeckt worden. Durch einen Felssturz wurde der ursprüngliche Eingang zur Höhle verschlossen – so blieben die Höhle und ihre Malereien über viele Jahrtausende hinweg unberührt. Erstaunlich ist das Alter der Wandmalereien und Ritzzeichnungen – nach neuesten Forschungen liegt das Durchschnittsalter zwischen 30.000 und 35.000 Jahren; über ca. 6.000 Jahre wurde die Höhle benutzt als Schutzraum für Tiere und auch für die Menschen. Bemerkenswert ist die vielfältige Darstellung von Tieren, nicht nur der bekannten Nutztiere, sondern u.a. Wollnashörner, Höhlenlöwen, Mammuts, Wildpferde, Höhlenbären, Steinböcke, Rentiere, Bisons, Auerochsen, Schnee-Eule und viele mehr. Die verwendeten Farben wurden hergestellt aus Naturocker, Holzkohle und Lehm; vorhandene Wölbungen des Gesteins wurden in die Malereien mit einbezogen. Um diese Darstellungen nicht zu beschädigen, ist das Besichtigen der Original-Höhle nicht möglich – es wurde eine 1:1 Kopie erstellt, die für das Publikum geöffnet ist; in einer deutschsprachigen Führung erfahren wir viele Details, und es werden uns „die Augen geöffnet“. Ein großartiges Erlebnis! Auf der Rückfahrt finden wir einen hervorragenden Picknick-Platz und es gibt eine letzte Weinprobe – Peter Worst stellt uns fünf Weine aus den Anbaugebieten des Rhonetales vor. Strenge EU-Gesetze aus dem Jahr 2014 geben drei Kategorien vor; genaue Checklisten sorgen für die Einhaltung der Vorgaben. Auf einer Länge von etwa 200 km von Vienne bis Avignon wird von ca. 7000 Winzern in ca. 400 AOPs (Association origine protegée) Wein angebaut.  Davon im nördlichen Teil (von Vienne bis Montelimar = 13 Appelationen) primär Weißweine, im südlichen Teil (Montelimar bis Avignon = 15 Appelationen + 1 Duché Uzès) überwiegend Rotweine, die als Cuvée ausgebaut werden. Die bekanntesten weißen Rebsorten sind u.a. Grenache blanc sowie neu und wieder im Kommen Viognier und bei den Rotweinen Grenache rouge, Syrah, Morvèdre etc. – Für den Abend sind wir eingeladen von unseren Freunden aus Uzès – Comité de Jumelage Schriesheim-Uzès. Das Treffen findet im Großen Saal des Rathauses statt, und Gérard Bonneau hat mit seinem Team den Abend organisiert. Mit dem Aperitif – Pastis, Whiskey (!) und natürlich Wein – beginnt der Abend; freundliche Begrüßungsworte leiten dann über zu einem schmackhaften südfranzösischen Essen. Wir fühlen uns herzlich angenommen! 

Am Samstag ist Markt in Uzès; die bunte Vielfalt des Angebots von Obst und Gemüse über Käse, Honig, diversen Gewürzen bis hin zu handwerklichen und Küchenutensilien verschiedenster Art sowie Kleidungsstücken ist überwältigend. Der Markt von Uzès wurde übrigens in einer kürzlich durchgeführten Umfrage nach dem schönsten Markt auf den 4. Platz in ganz Frankreich gewählt – auf den 1. Platz der Région Occitanie!

Mit diesen Erlebnissen findet eine abwechslungsreiche Woche ihr Ende – mit neuen Eindrücken aus einer Region, die wir oft schon besucht haben und „eigentlich“ kennen – aber man sieht nur, was man weiß! Daher herzlichen Dank an Claudia für ihre umsichtige Auswahl der Ziele und Führungen sowie der Organisation unserer neuerlichen Frankreich-Erlebnisse! Bis zum nächsten Jahr – à la prochaine...

Kulturfahrt 2017 – 11. - 18.6.2017 - Ein Bericht von Martha Berg

 

Brügge, Gent, Lille – Städte mit klangvollen Namen im Nordwesten waren u.a. das Ziel unserer diesjährigen Kulturfahrt. Flandern mit seiner wechselvollen Geschichte war immer eng mit der französischen Geschichte verbunden und ist heute u.a. Teil Belgiens sowie der neu geschaffenen nordfranzösischen Region „Hauts-de-France“. Der Glanz dieser Städte gründete sich im Mittelalter vor allem auf den Tuchhandel und damit eng verbunden die Handelsbeziehungen (Wolle!) mit England. Claudia Ebert führte uns in eine wohlorganisierte Woche mit vielen historischen Berichten und architektonischen Highlights. Die Broschüre, die Ingrid Gängel wiederum für uns vorbereitet hatte, war sehr hilfreich dabei, sich einen Überblick zu verschaffen, was uns in den kommenden Tagen erwarten würde. Bei einer Pause auf der Hinfahrt gab es den schon oft genossenen Sektempfang – dieses Mal aber gestiftet aus ganz besonderem Anlass eines runden Geburtstages; herzlichen Dank an die „Schenkenden“ – auch für die köstlichen „Guglhupfe“! Einer unserer Teilnehmer ergänzte das durch einen in Eigenregie produzierten Schriesheimer Sekt – vielen Dank auch dafür.

Flandern – über die Geschichte der Region hatte uns Claudia schon auf der Hinfahrt informiert. Bereits unter Cäsar wurde es römische Provinz Gallia Belgica (obwohl er feststellte, dass die Belgae keine Germanen sondern Gallier seien). Zahlreiche Herrscher folgten – die Merowinger, Franken, Burgunder, Spanier/Habsburger... und haben ihre Spuren hinterlassen. Die Tuchherstellung sorgte für Wohlstand – der Handel blühte und machte die Städte reich. Als nach dem Tod Karls des Kühnen (dem letzten Burgunder-Herzog) dessen Länder durch die Ehe seiner Erbtochter Maria mit Maximilian I. (Hochzeit 1477 in Brügge) an das Haus Habsburg fielen, suchte die französische Krone im Burgundischen Erbfolgekrieg (1477-1493) vergeblich, ihre alte Lehnshoheit über Flandern wieder zu erlangen. In der Folge kam Flandern über die Heirat von Maximilians Kindern Philipp und Margarete mit den Kindern aus dem spanischen Königshaus Johanna von Kastilien und Johan von Asturien an die spanische Linie des Hauses Habsburg. Aus der Ehe zwischen Johanna (der Wahnsinnigen) und Philipp I. (der Schöne) ging der spätere Kaiser Karl V. (1500 geboren in Gent) hervor. Zahlreiche Kriege wüteten in dem Land (der 80jährige Krieg war der Unabhängigkeitskampf der nördlichen Provinzen, Utrechter Union) bis später unter Napoleon bzw. beim Wiener Kongress sowie in den Folgejahren Teile Flanderns den Niederlanden und dem später neu konstituierten Königreich Belgien zugeordnet wurden. Seit 1830 ist Belgien eine föderale, konstitutionelle Erbmonarchie (König Philippe). In Belgien leben heute etwa 11,5 Millionen Menschen – ca. 60% sprechen flämisch, 40% französisch sprechende Vallonen, und ein sehr kleiner Teil im Osten spricht deutsch.

Unser erstes Hotel in Seebrügge lag so, dass wir gleich nach Ankunft einen Gang zum Meer machen konnten – die Wellen, der Sand und der Wind (!) haben uns empfangen. Für die Handelsstadt Brügge war der Bau des großen Hafens von Seebrügge von größter Wichtigkeit, war doch die bei einer großen Sturmflut 1134 entstandene weite Fahrrinne „Zwin“ in der Meeresbucht ab dem 15. Jh. versandet. Die sich entwickelnde Industrie – insbesondere der Handel mit England – erforderte jedoch eine direkte Anbindung an die Nordsee. Ende des 19. Jh. wurde mit dem Ausbau des neuen Überseehafens Seebrügge (Autotransporte!) und zweitgrößten Fischereihafens Belgiens begonnen – der erste Hafenkomplex konnte 1907 vom belgischen König Leopold II. eingeweiht werden.

Brügge – der Name leitet sich ab von Bryghia (Burg oder Anlegestelle) – wurde um 870 von Balduin I. gegen den Einfall der Normannen gegründet; 1128 erhielt Brügge die Stadtrechte. Bereits 1297 wurde mit der Anlage der Stadtwälle (dem „Ei“ von Brügge) begonnen. Der Flämische Freiheitskampf – Aufstand gegen den französischen König Philipp den Schönen (ein Kapetinger) –  gipfelte 1302 in der Brügger Metten und in der Schlacht der Goldenen Sporen. Ende des 15. Jh. ist Brügge eines der wichtigsten Mitglieder der Hanse – aber mit der Versandung des Zwin beginnt der Niedergang der Stadt. Mitte des 16. Jh. wird Brügge Bischofssitz. Nach der Schlacht bei Waterloo 1815 endet die französische Besatzung; 1838 wird die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen – der Wiederaufstieg beginnt.

Unser erster Tag führte uns nach Brügge, und dort beginnen wir den Rundgang in dem bekannten Beginenhof – eine Oase der Ruhe inmitten der Stadt bestehend aus kleinen Wohnhäusern, einer Kapelle sowie einem größeren Haus für die Beginenmeisterin und einem Versammlungsraum. Die Gebäude sind um einen Innenhof gruppiert mit hohen, schattenspenden Bäumen. Gegründet wurde der Hof wurde 1245 von Margareta von Konstantinopel (Gräfin von Flandern). 1998 wurde das Ensemble in die UNESCO-Liste „Weltkulturerbe“ aufgenommen. Die Bewegung der Beginen kann als frühes Zeugnis sozialen Engagements gelten; ab dem 13. Jh. schlossen sich Frauen und auch Männer (Begarden) ungeachtet ihres Vermögens in geistlichen, klosterähnlichen Gemeinschaften zusammen. Sie legten ein Gelübde ab, das jährlich erneuert werden musste; ihren Unterhalt verdienten sie weitgehend durch Handarbeit. Sie konnten, anders als in Klöstern üblich, die Gemeinschaft verlassen, um zu heiraten oder sich ein bürgerliches Leben aufzubauen – ihr Vermögen aber mussten sie zurücklassen. Das Stadtbild (heute hat Brügge ca. 120.000 Einwohner) ist geprägt durch schöne, aufwändig restaurierte Patrizierhäuser – im Jahr 2000 wurde die Brügger Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Diese sorgfältig restaurierte mittelalterliche Stadt lernen wir bei einem Stadtrundgang kennen. Am Alten Börsenplatz befanden sich die Handelsniederlassungen der italienischen Seestädte Genua, Florenz und Venedig sowie das 1246 erbaute Handelshaus der Kaufmannsfamilie Van der Beurze, daraus entwickelte sich die erste „Börse“ der Welt. Der Marktplatz mit dem mächtigen Belfried aus dem 13./14. Jh. sowie die dahinterliegende ehemalige Tuchhalle zeugen von Freiheit und Reichtum der alten Hansestadt. Am danebenliegenden Burgplatz begann die eigentliche Geschichte Brügges – hier stand die Burg zur Verteidigung gegen die Normannen. Heute stehen dort das Rathaus sowie die Alte Kanzlei aus dem 14. Jh. Die wunderschön gestaltete Fassade des Rathauses ziert eine Galerie von Helden, Grafen und Herzögen aus der Geschichte Brügges und Flanderns. Daneben liegt ein Kleinod – die Basilika des Heiligen Blutes mit der Unterkirche aus dem 12. Jh., das älteste Gebäude Brügges. Einer Legende nach bekam Graf Diederik aus dem Elsass nach seinen Kreuzzügen einige Tropfen des Heiligen Blutes Christi, die in einer Schatulle in der Oberkirche dieser Kapelle aufbewahrt werden; jedes Jahr findet eine Heilig-Blut-Prozession statt. Bei einer Bootsfahrt auf den malerischen Grachten (hier Reien genannt, nach dem im Mittelalter kanalisierten Flüsschen Reie, das die Grachten mit Wasser versorgte) mit ihren niedrigen Brücken lernen wir neue Blickwinkel der Stadt kennen – besonders romantisch ist der Blick auf den Beginenhof vom Wasser aus mit den vielen Schwänen. Das Brügger Collège d’Europe steht direkt an einer der Grachten – viele einflussreiche Persönlichkeiten in Brüssel, Luxemburg oder Straßburg haben in Brügge studiert. Ganz in der Nähe wird der Blick offen auf das romantischste Stück der Grachtenfahrt, auf den „Rozenhoedkaai“ – hier wurden im Mittelalter Rosenkränze verkauft!

Die Liebfrauenkirche steht an der Stelle einer im 9. Jh. erbauten kleinen Kapelle; als sich die Stadt ausweitete wurde diese durch ein größeres Gotteshaus ersetzt, und im 13. Jh. wurde mit dem Bau der heutigen, gotischen Kirche begonnen mit dem typischen Kalkstein aus Tournai. Dem zunächst dreischiffigen Langhaus (1210-1230) wurden diesem um 1345 bzw. 1450 im Norden und im Süden jeweils ein weiteres Schiff angefügt, so dass eine fünfschiffige Anlage entstand; mit ca. 122 m Höhe prägt der nördlich des Langhauses platzierte Turm von 1320 das südliche Stadtbild. In der Kirche befinden sich u.a. der Sarkophag von Karl dem Kühnen sowie seiner Tochter Maria von Burgund. Das Innere (leider durch eine große Baustelle etwas getrübt...) birgt weiter ein unschätzbares Kunstwerk –  die wunderschöne Statue der „Mutter mit dem Kinde“, eine frühe Plastik von Michelangelo aus weißem Marmor. Ursprünglich für den Dom von Siena bestimmt, verkaufte Michelangelo die Statue an den Brügger Kaufmann Moeskroen; er schenkte sie später seiner Pfarrgemeinde.

Der nächste Morgen – strahlende Sonne, der richtige Auftakt für die Fahrt in die großartige Stadt Gent (ursprünglich Gond, bei den Germanen zu Gonda geworden, woher sich das lateinische Gandavum ableitet; Gonda kann mit Zusammenfluss oder Mündung übersetzt werden) – die Schelde und die Leie treffen sich hier. Die Wurzeln der Stadt reichen weit zurück – bereits aus der Bronzezeit und früher datieren älteste Funde. Das Gebiet wurde unter Cäsar im Jahr 50 v.Chr. römisch. Im 7. Jh. wurden zwei Abteien gestiftet – das Kloster St. Bavo und das Kloster St. Peter. Bereits im 11. Jh. war Gent eine Metropole der Textilproduktion und war bis 1550 die größte Stadt der Niederlande. Auch das Flachs- und Leinengewerbe sowie das Stapelrecht auf Getreide trugen zu Reichtum und Größe der Stadt bei. Hier wurde am 24.2.1500 im „Hof ten Walle“ der spätere Kaiser Karl V. geboren; später sagte er über die Ausdehnung von Gent: Je mettrai Paris dans mon gant/Gand („Ich könnte Paris in meinen Handschuh/mein Gent stecken“). Viele Kämpfe zwischen dem aufstrebenden Bürgertum und dem Adel wurden ausgefochten – die Herrschaft der XXXIX (39 Genter Schöffen) dominierte Politik und Rechtsprechung. Um 1300 wurden die Schöffen von Graf Guido I. von Flandern abgesetzt, und in der Folge gewannen die Zünfte und Kaufmannsfamilien an Macht und Einfluss. Gent spielte auch eine Rolle im Hundertjährigen Krieg mit England, wobei Gent nach anfänglicher Neutralität schließlich für die englische Seite optierte, weil die Stadt vom Import von Rohstoffen für die Textilproduktion abhängig war. Soziale Konflikte, u.a. zwischen den „Walker“ und den „Webern“ brachen aus. Der Anführer der Weber, Jacob van Artevelde, wurde schließlich am 17.7.1345 auf dem Kalandeberg ermordet. Die Verteilung der Schöffenämter wurde angepasst (kleinere Gewerbe wurden in die 5 großen Zünfte aufgenommen) – trotzdem blieb es eine unruhige Zeit. Der erste große Aufstand endete im Dezember 1385 mit dem Frieden von Doornik (Tournai), geschlossen mit dem Grafen Philipp dem Kühnen von Burgund, der 1384 die Erbin Margarete von Flandern geheiratet hatte. Die Grafschaft Flandern kam nach der Hochzeit von Maria von Burgund mit dem späteren Kaiser Maximilian durch die Heirat deren Kinder mit den Nachkommen des spanischen Königshauses an die spanischen Habsburger. Im 16. Jh. spielte die Stadt eine wichtige Rolle im Aufstieg des Calvinismus. Ein Aufstand wurde durch Karl V. mit großer Härte niedergeschlagen – die Anführer mussten mit einer Schlinge um den Hals um Vergebung bitten. Die „Klokke Roeland“, das Sinnbild der Genter Selbständigkeit, wurde aus dem Belfried entfernt.. In der „Genter Pazifikation“ (1576) forderten Siebzehn Provinzen den Abzug der spanischen Truppen und religiöse Toleranz. Erst mit dem Westfälischen Friede 1648 konnten die Auseinandersetzungen beendet werden. Um 1600 begann der wirtschaftliche Niedergang, da die Stadt die Verbindung ihres Hafens mit der See verlor. Erst die Ansiedlung neuer Gewerbe in der zweiten Hälfte des 18. Jh. brachte Gent wieder zu ökonomischer Blüte, und sie wurde zur größten Stadt im heutigen Belgien (ca. 257.000 Einwohner). Um 1800 begann in Gent als erster Stadt auf dem europäischen Festland die Industrialisierung, vor allem in der Leinen- und Baumwoll-Verarbeitung – eine mechanische Spinnmaschine, die „Mule Jenny“, war aus England von Lieven Bauwens eingeschmuggelt worden! Unser Stadtrundgang beginnt am „Gravensteen“ – einer Wasserburg inmitten der Stadt. Die Ursprünge gehen wohl auf Balduin I. um 870 zurück, mit dem das „Haus Flandern“ seine Herrschaft begann. Im 13./14. Jh. wurde die Burg umgebaut in der Architektur der syrischen Kreuzritter. Nach der Französischen Revolution wurde sie an eine Baumwollspinnerei verkauft und sollte Ende des 19. Jh. abgerissen werden – die Stadt Gent kaufte die Burg jedoch zurück! Ein reizvoller Anblick bietet sich von der Brücke über die Graslei zur alten „Fleischhalle“ – das Wasser ist gesäumt von prächtigen, wunderschön restaurierten Gildehäusern. Das absolute Highlight ist jedoch der „Genter Altar“ in der St. Bavo-Kathedrale – Jan van Eyck hat ihn 1432 vollendet. Das weltberühmte 12teilige Altarbild „Die Anbetung des Lamms Gottes“ (mit seiner Alltags- sowie Festtagsseite) ist ein Auftragswerk des reichen Genter Patriziers Joos Vijd und dessen Ehefrau Elisabeth Borluut. Die Kathedrale beherbergt außerdem ein Gemälde von Rubens; beeindruckend ist ebenso die Kanzel – ein Rokoko-Kunstwerk aus dem Jahr 1745.

Wir verlassen Gent und besuchen auf der Rückfahrt das kleine Städtchen Damme. Hier errichteten friesische Gastarbeiter mit hervorragendem Wissen um den Deichbau einen Damm an dem früheren Meeresarm Zwin. Somit war Damme bereits im 12. Jh. wichtiger Vorhafen von Brügge und erhielt 1180 vom Grafen von Flandern (Philipp vom Elsass) die Stadtrechte. Als in Brügge der wirtschaftliche Niedergang begann, ging es auch mit Damme bergab. Der „Damse Vaart“ (Dammer Kanal) wurde 1820 auf Befehl Napoleons von spanischen Kriegsgefangenen ausgehoben; der Kanal sollte Brügge mit der Schelde verbinden, um über diesen Weg die englische Blockade des Festlandes umschiffen zu können – der Kanal wurde nie vollendet! Am Wasser steht eine alte Windmühle (eine Haubenmühle) und gibt ein malerisches Bild ab. Auf dem Rathaus-Kamin war ein Storchenpaar mit der Fütterung der Jungtiere höchst beschäftigt! Inmitten der kleinen Stadt stehen die beeindruckenden Reste der Liebfrauenkirche (um 1230 begonnen), die erste Hallenkirche in Flandern. Damme ist auch die Stadt des Tyll Eulenspiegel aus dem Werk von Charles de Coster; dieser versetzte die Figur des volkstümlichen Rebellen in das Flandern des 16. Jh. – was u.a. dazu führte, dass sich Damme heute noch die Bücherstadt nennt und viele Antiquariate auf Käufer hoffen. Auf der Fahrt zurück zum Hotel passieren wir den großen Hafen von Seebrügge und sehen „Millionen“ von Autos, die auf den Weitertransport warten!!!

Die Weiterfahrt am nächsten Morgen führt uns entlang der belgischen Küste (ca. 67 km lang) – die Dünen und eine Stippvisite am weißen Sandstrand von Blankenberge bleiben in Erinnerung. Wir kaufen ein für das Picknick und danach gibt es die erste Weinprobe! Schon das Einkaufen fürs Picknickist ein Genuss – aus der Vielzahl der Käsesorten, Paté, Schinken, Obst, Gemüse auszuwählen ist ein besonderes Vergnügen! Und es gibt auch Bier in Belgien!!! Was besonders unsere Biertrinker freut – aus „gefühlten“ 100 Sorten kann man wählen... Besonders bekannt ist die Brauerei „Der halve Mann“ in Brügge. Am Parkplatz wird alles auf den rasch aufgebauten Tischen ausgebreitet und zum Abschluß gibt es Kaffee und Kuchen (ein Dankeschön an alle KuchenbäckerInnen!). Das Schönste war dann die sich anschließende Weinprobe – von Günter Woldert organisiert; Peter Worst und Werner Ebert assistierten ihm: Die Region „Flandern“ ist nun mal nicht die Weingegend Frankreichs<s>!</s> – so hatte man die Weine ausgesucht aus den verschiedensten Gegenden Europas und diese aufgeteilt in „mineralische“ und „opulente“ Wein; an diesem Tag verkosteten wir die „mineralischen“. Eingebettet hatten die Sommeliers ihre Weine in Rätselfragen nach berühmten Personen, z.B. „Ein Schauspiel, in Mannheim vorgetragen – und noch bevor es zu Ende gelesen war, sind alle abgehauen“...? Die Antwort war natürlich „Schiller, Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“. Hier ging es um einen leichten Sommerwein, einen Elbling vom Weingut Steinmeth in Wehr (südl. Mosel). Oder „Welche bekannte Persönlichkeit hat diesen Wein auch schon getrunken?“ Der besagte Wein war ein „Würzburger Stein“, ein Silvaner aus dem Bürgerspital in Würzburg – eine Sorte, die bereits seit 1650 angebaut wird. Hier war Goethe gefragt! Der absolute Spitzenwein für diesen Tag war ein Roter Riesling Spätlese vom Bensheimer Kirchberg – er mundete einfach (fast) allen!

Tournai ist das nächste Ziel. Die zweitälteste Stadt Belgiens (nach Tongeren) wurde im 5. Jh. merowingischer Herrschaftssitz; sie wurde später dem Frankenreich zugeschlagen und kam im 10. Jh. zur Grafschaft Flandern. In seiner wechselvollen Geschichte gehörte Tournai zu den Spanischen Niederlanden, zu den Österreichischen Niederlanden und 1795 wurde dort die Batavische Republik ausgerufen. Nach kurzer Zugehörigkeit zum Königreich der Vereinigten Niederlande gehört es seit 1830 zum heutigen Königreich Belgien. In der Stadt fand man 1653 beim Bau eines Hospizes das Grab von Childerich (gest. 481), dem ersten eindeutig identifizierten Merowinger und Vater von Chlodwig I. – prunkvolle Beigaben an Waffen, Schmuck, vergoldete Fibeln und Münzen wurden entdeckt; 300 goldene Anhänger in Bienenform (zum Besatz eines Brokatmantels) sowie ein Siegelring mit einem stilisierten Porträt und der Umschrift CHILDIRICI REGIS gehörten dazu. Der Schatz wurde in der Französischen Nationalbibliothek aufbewahrt (nachdem er unter Erzherzog Leopold Wilhelm im 16. Jh. für einige Zeit nach Wien gebracht worden war). Napoleon war von den „Bienen“ so beeindruckt, dass er dieses Symbol für den Sieg über die verhasste Bourbon-Lilie übernahm. 1831 wurde der Schatz gestohlen – die Diebe schmolzen Teile ihrer Beute ein, so dass nur ein Bruchteil, darunter zwei Bienen, erhalten blieb! Auf den Besuch der Stadt (ca. 70.000 Einwohner) und vor allem ihrer Kathedrale hat Werner Ebert uns bestens vorbereitet mit wichtigen Details. Die mittelalterliche Altstadt ist gut erhalten. Die Kathedrale „Notre Dame“ (erbaut 1110-1325) sowie der um 1200 erbaute (älteste belgische) Belfried gehören zum UNESCO-Welterbe. Im 11. Jh. wütete in Brabant und Flandern die Pest und forderte zahlreiche Todesopfer. Die Menschen pilgerten zur damaligen Kathedrale, von wo sie Hilfe erhofften; eine große Prozession fand am 14. September 1090 statt – die Pest flammte ab! Für die danach neu erbaute Kathedrale entstanden in der Zeit bis 1191 eindrucksvolle Meisterwerke der romanischen Baukunst – das Mittelschiff sowie die Seitenschiffe, die fünf Türme und der Chor. Die Gesamtlänge beträgt 134 m, die Länge des Querschiffs 66,5 m; die Höhe des Chors ist mit 56 m, die des Querschiffs mit 48 m beeindruckend. Das Langhaus hat einen vierzonigen, gewaltigen Wandaufbau – von mächtigen Säulen getragen. Ein kompletter gotischer Neubau wurde geplant, jedoch in veränderter Form fertiggestellt – der gotische Chor war 1255 beendet. Der Lettner ist ein Werk der Renaissance des flämischen Bildhauers Cornelis Floris II. (1572). Zur Erinnerung an die Pestzeit findet am 2. Sonntag im September eine Prozession zur dunklen Madonna „Notre Dame la Brune“ statt.

Lille – die Stadt im Norden Frankreichs! Sie überrascht die meisten von uns durch ihren Charme. Der Name leitet sich ab von L’Isle – die erste Ansiedlung lag auf einer Sumpfinsel im Tal der Deule. Am 22.11.1890 wurde in Lille Charles de Gaulle geboren; Louis Pasteur wirkte einige Jahre an der Universität von Lille. Wir beziehen ein Hotel nahe dem Stadtzentrum, direkt neben der Kirche St. Maurice. Das Hotel ist ein typisch französisches – das Frühstück gibt’s in der kleinen Rezeption und in einem Raum daneben, der an das Wohnzimmer einer Familie erinnert; aber es ist alles da, vor allem die köstlichen Croissants!

 

Auf dem Weg zum Abendessen bekommen wir einen ersten Eindruck von der Stadt – über den Marktplatz vorbei an der alten Börse... Auf der Stadtrundfahrt am nächsten Morgen sehen wir die Stadt mit ihren vielen Gesichtern – vorbei an der pentagonalen Zitadelle (erbaut unter Ludwig XIV. von Vauban). Eine Stadterweiterung wurde durchgeführt per Dekret von Napoleon III. im 19 Jh.; das zugrundeliegende Interesse war, die „elenden“ Wohnverhältnisse mit ihren unzureichenden hygienischen Verhältnissen zu verbessern. Die bewegte Geschichte der Stadt kurz zusammengefasst: Im Mittelalter reich geworden durch das Tuchmachergewerbe und dem Handel mit Kräutern und Gewürzen, kam Lille (größte Handelsmetropole Flanderns) 1368 durch Heirat an das Haus Burgund; im Jahr 1555 wurde Lille Teil der Spanischen Niederlande – 1542 waren die ersten calvinistischen Protestanten aufgetaucht, gegen die die Spanier gewaltsam vorgingen; 1668 wurde die Zugehörigkeit Lilles zu Frankreich im Frieden von Aachen anerkannt. Die zunehmende Industrialisierung im 19. Jh. hatte auch ein Erstarken der Arbeiterbewegung zu Folge. Lille war die erste Stadt Frankreichs, die 1896 einen sozialistischen Bürgermeister erhielt. Die zahlreichen, schnell wachsenden Fabriken (Textilindustrie, Maschinenbau) und die zunehmende Zahl der Arbeiter hatten erbärmliche Lebensbedingungen aufgrund des fehlenden Wohnraums zur Folge; um 1900 verzeichnete man die höchste Kindersterblichkeit Frankreichs (etwa 30% !). Als in den 1960er Jahren ein wirtschaftlicher Niedergang begann, konnte dieser erst durch die Umstellung auf Dienstleistungen gestoppt werden. Dies führte auch zu großen Veränderungen im Stadtbild. Zwischen den Weltkriegen waren bereits im Arbeiterviertel viele alte Wohnhäuser abgerissen worden – ein neues Viertel entstand zusammen mit dem Neuen Rathaus; daneben steht der Belfried, mit 104 m der höchste in Flandern. Ganz in der Nähe findet sich noch die „Porte de Paris“ – zur Glorifizierung der Einnahme Lilles durch Ludwig XIV. mit Sonnenstrahlen geschmückt! Der Plan, ein ganz futuristisches Geschäftsviertel Euralille im Osten der Stadt zu gründen, wurde nach vielen Diskussionen umgesetzt als auch der neue Bahnhof „Lille-Europe“ für den TGV sowie den Eurostar gebaut wurde. Lille ist Universitätsstadt (drei Universitäten) und hat ca. 100.000 Studenten bei etwa 234.000 Einwohnern! 2004 war Lille Kulturhauptstadt Europas (zusammen mit Genua).

Der Besuch des „Musée de l’Hospice Comtesse“ im Historischen Viertel Lilles ist wie eine Zeitreise zurück ins Mittelalter. 1237 gründete Comtesse Jeanne de Flandre in ihrem eigenen Palais das Armenhospiz Notre Dame. Passiert man das monumentale Eingangsportal, durchquert man den langen Krankensaal von 1470 mit seinem schönen Gewölbe in Form eines Schiffskiels; eine kleine Kapelle schließt sich an. In den weiteren Räumen wird ein Flämischer Haushalt aus dem 17./18. Jh. nachgebildet mit Möbeln, Bildern, Tischkulturobjekten etc. Im Schlafsaal veranschaulichen Exponate die Geschichte der Stadt und des Lebens in Lille vom Ancien Régime bis zur französischen Revolution. Im Stadtzentrum findet sich die Kathedrale von Lille, die Bischofskirche „Notre Dame de la Treille“. Der Grundstein wurde 1854 gelegt; die Pläne für die gewaltige Basilika mit einem Kreuzgrundriss als Schrein für das Gnadenbild „Unserer Lieben Frau von Treille“ schuf Charles Leroy aus Lille. Die Größe dieses Kirchenbaus führte zu einer langen Bauzeit; auch unterbrochen durch die beiden Weltkriege blieb sie lange Zeit unvollendet. Bis 1869 war der fünfjochige Umgangschor fertig; 1874 wurde auf der Südseite ein freistehender Glockenturm errichtet. 1974 war das Langhaus (niedriger und einfacher als ursprünglich geplant) beendet. Die endgültige Fertigstellung erfolgte dann 1999 mit der modernen Schauseite – eine selbständige Konstruktion aus überwiegend transparenten Materialien – entworfen von Peter Rice und von Pierre-Louis Carlier ausgeführt. Bemerkenswert in der Stadt sind die „Alte Börse“ – 1653 aus 24 aneinander gebauten Mansardenhäusern fertiggestellt (im Innenhof unter den Arkaden gibt es einen Büchermarkt; Schachspieler in der Mitte des Platzes wecken das Interesse der Zuschauer) –, die „Neue Börse“ (1903, heute Handelskammer) sowie die Oper – der Neubau wurde nach dem Krieg 1923 eingeweiht.

Für das „Musée des Beaux-Arts“ wurde Ende des 19. Jh. ein prachtvoller Bau an der Place de la République 1892 eingeweiht – das größte Kunstmuseum Frankreichs außerhalb von Paris (entworfen von Robert Mallet-Stevens, in Auftrag gegeben von dem Industriellen Paul Cavrois). Es zeigt rund 2.000 europäische Kunstgemälde (Botticelli, Rubens, Delacroix, Tizian, Goya, Veronese u.a.), Keramiken aus dem 17./18. Jh. – französische Skulpturen aus dem 19. Jh., Pläne und Reliefs befestigter Städte aus dem 18. Jh.; hinzu kommen in der Antiquitätenabteilung Stücke aus dem Mittelalter und der Renaissance.

Willkommene Abwechslungen sind kulinarische Genüsse bei unseren Abendessen – verschiedenste Spezialitäten, z.B. „Waterzoi“, einen schmackhaften Fischeintopf, lernen wir kennen. Köstliche Desserts zum Abschluss! Die Weinkarte verspricht gute Tropfen, und Bier löscht den ersten Durst!

Der nächste Tag führt uns nach St. Omer am Fluss Aa in einer von dem Mönch Audomar (heiliggesprochen unter dem Namen Saint Omer) missionierten Region. Die Urbarmachung des marais audomarois erlaubte Viehzucht und Gemüseanbau – die Fa. Bonduelle hat ganz in der Nähe eine Produktionsstätte. Das „Audomarois“, dieser ungewöhnliche Naturraum, wurde 2013 von der UNESCO als Biosphärenreservat unter Schutz gestellt. Als wichtiger Sitz von Verwaltung und Jurisdiktion hat St. Omer heute ca. 14.000 Einwohner. Die Kathedrale Notre Dame steht an der Stelle, an der im 7. Jh. eine Marienkapelle errichtet wurde; diese brannte 1033 ab und wurde durch eine romanische Kirche ersetzt. Als diese 1191 ebenfalls durch einen Brand zerstört wurde, begann man mit dem Bau dieses groß dimensionierten Gotteshauses, der über 300 Jahre dauerte; um 1500 war die Kathedrale weitgehend abgeschlossen. Von 1559 bis 1802 war sie Bischofskirche des Bistums Saint-Omer; 1879 erhielt sie den Rang einer Basilica minor und gehört heute zum Bistum Arras. Die Kathedrale ist eine dreischiffige Basilika mit ebenfalls dreischiffigem Querhaus; den Westabschluß bildet der massive, helmlose Turm. Das Hauptportal zeigt eine Darstellung des Weltgerichts im Tympanon. Den Innenraum prägen Kreuzgratgewölbe, Obergaden mit großen Maßwerkfenstern und Triforien, die sich auch im Chor und in der Apsis fortsetzen. Anders als die meisten bedeutenden Kirchen Frankreichs verlor die Kathedrale von Saint-Omer in der Revolution nur geringe Teile ihrer Ausstattung. Bemerkenswert sind eine Ecce-homo-Gruppe aus der zerstörten ehemaligen Kathedrale von Thérouanne, das Kenotaph des heiligen Audomar und das Grabmal des Eustache de Croy (Bischof von Arras und Propst des Domkapitels) sowie ein Gemälde von Peter Paul Rubens „Kreuzabnahme“. Sehenswert ist auch die astronomische Uhr aus dem 16. Jh. und der Altar für St. Erkembode, auf dem sich Kinderschuhe häufen; die Anrufung des Heiligen soll Kindern helfen, die sich mit dem Laufen schwertun.

Noch in St. Omer gibt es eine zweite Weinprobe... Dieses Mal geht es um die „opulenten“ Weine – es beginnt mit einer Neuheit! Ein Sauvignon Blanc vom Weingut Klemens Andres in Niederkirchen (Pfalz) – hergestellt mit extra dafür eingeführten sogen. Aromahefen aus Neuseeland. Dem folgt ein Chardonnay-Viognier von der Cote d’or; der Wein hat 14% Alkoholgehalt, ist im Holzfass gereift – sein Aroma erinnert an schwarze Johannisbeeren oder frisch gemähtes Gras... Danach probieren wir einen Grauburgunder SL aus Wachtenheim (Pfalz), und den Abschluss bildet ein Merlot „Deidesheimer Hofstück“ vom Weingut Klemens Andres aus der Pfalz.

Die Heimreise am Sonntag – sie ist nicht zu lang, und wird angenehm unterbrochen durch ein schönes Picknick mit den letzten französischen Köstlichkeiten; gegen 18.30 Uhr sind wir wieder in Schriesheim. Ein herzliches Dankeschön an Claudia Ebert für diese Woche voller schöner Eindrücke im Norden Frankreichs bzw. in Teilen Belgiens – eben in Flandern! Danke für die Mühen des Auswählens und der Organisation und die Geduld beim Beantworten unserer Fragen. Danke auch an alle Helfer und Helferinnen im Hintergrund, nicht zuletzt auch an unseren Busfahrer, dass er uns mit viel Umsicht gut nach Hause gebracht hat. À la prochaine... !?

Kulturfahrt 2016

Nach dem wir ein Jahr ausgesetzt haben, bieten wir in diesem Jahr wieder unsere beliebte Kulturfahrt an. Reisezeitraum ist der 11. - 19. Juni 2016.

Folgendes Programm ist geplant:
Besichtigung der Kathedrale von Sens auf der Hinfahrt, Stadtfuehrung in Orléans, Besichtigung des Musée des Beaux Arts, Spaziergang durch den Parc floral de la Source in Orléans,Besichtigung der Abteikirche St Benoît sur Loire und der karolingischenKirche Germigny des Prés, Besichtigung der Porzelanmanufaktur in Gien, Fahrt an der Loire nach Amboise. Dort Besichtigung des letzten Wohnsitzes von Leonardo da Vinci -  Chateau Clos de Lucé mit Park. Weiterfahrt nach Bourges. Unterwegs Besichtigung des Chateau Valençay ( Tayllerand ) und des Parc naturel régional de la Brenne. Stadtfuehrung in Bourges mit Besichtigung des Palais Jacques Coeur und der Kathedrale St, Etienne, ( Weltkulturerbe ). Auf der Heimfahrt Besichtigung der  Abteikirche  de Pontigny. Es gibt viel Geschichte, Natur und Kultur, ( Essen und Trinken gehoeren dazu!)  und natuerlich eine Weinprobe,  Preis p.P € 1010.00 ( Nichtmiglieder zahlen € 10.00 mehr ) im Dz. EZ Zuschlag € 205.00.  Leistung :  Fahrt im Reisebus der Fa. Farrenkopf, Uebernachtung mit VP (mittags auch Picknick ),Eintritte und Fuehrungen, Infomappe, Trinkgelder, Weinprobe, Reiseruecktrittsversicherung im Krankheitsfall. Programm und Leitung : Claudia Ebert.

Die Fahrt ist bereits ausgebucht. Eine Warteliste liegt vor.

Kulturfahrt 2016 - 11. - 19.06.2016 (von Martha Berg)

Gruppenfoto

Das Tal der Loire – klangvoller Name für eine Region voller Kultur! Sozusagen das Herz Frankreichs – entstanden doch über die Jahrhunderte  Schlösser und großartige Kathedralen, die von bedeutender Architektur zeugen. Diese geschichtsträchtigen Kulturdenkmäler zu besichtigen und dabei das Tal der Loire (mit ca. 1000 km der längste Fluss Frankreichs) kennenzulernen, war das Ziel der diesjährigen Kulturfahrt. Wie schon so viele Male hat Claudia Ebert die Ziele mit vielen Überlegungen und guten Ideen zusammengestellt zu einer wundervollen Reise – die Hotels dazu gut gewählt und alles so organisiert, dass wir es von Beginn an genießen konnten. Die von Ingrid Gängel zusammengestellte Broschüre mit den Reisezielen und Erläuterungen war eine willkommene Ergänzung. Eine erste Begrüßungs-Pause gab es auf französischem Boden nach ca. 1 Std Fahrzeit ab der Grenze – Günter Woldert hatte Sekt von der Loire ausgewählt AC Saumur/Chenin Blanc/Chardonnay von Chapin & Landais 2012 und Bouvet-Ladubay Brut 2014; hinzu gab es einen Rosé-Sekt Cabernet Sauvignon aus Schriesheim von Hans Waldenmayr. Auf diese Weise gut eingestimmt auf die französische Lebensart, erreichten wir Sens (noch im Burgund)  – bereits im Bus hatte uns Claudia Ebert über die große Kathedrale St. Étienne und ihre Geschichte informiert. Beauftragt von Erzbischof Heinrich von Sens (Henri Sanglier) um 1130 in einer Zeit, in der noch romanische Bauten überwiegen, wird sie mit einem Kreuzrippengewölbe erbaut und um 1500 endgültig fertiggestellt – die erste der großen frühgotischen Kathedralen Frankreichs und immer in Konkurrenz zu St. Denis, die obwohl später begonnen früher geweiht wurde – als Abteikirche. Der Bau hat eine Höhe von knapp 25 m und eine Länge von ca. 114 m; die große Rosette hat einen Durchmesser von 11 m. Hell wirkt das Innere und die großen Rosetten im Flamboyantstil leuchten trotz des draußen trüben Wetters. Eine Besonderheit ist das große Glasfenster eines unbekannten Meisters vom Anfang des 13. Jh., das das Leben von Thomas Becket zeigt.

Orléans erreichen wir gegen Abend – am Schnittpunkt wichtiger Verkehrswege an der Loire gelegen, gab es bereits früh einen Hafen, Paris am nächsten gelegen. In keltischer Zeit gab es hier den Ort Cenabum; nach der Eroberung durch Cäsar im Jahr 52 v. Chr. wurde in der Regierungszeit von Aurelian (3. Jh.) der Ort neu gegründet als „Aurelianum“, was sich zu Orléans verändert hat. Die Straßenführungen sowie die Stadtmauer lassen sich heute noch im Stadtbild erkennen; die 10 m hohe und 3 m dicke Mauer hielt einem Angriff der Hunnen im Jahr 451 stand! In merowingischer Zeit (511-613) wurde Orléans kurzfristig zum eigenständigen Königreich, später die Hauptstadt von Neustrien. Als Königsstadt der Kapetinger erreichte Orléans seine Blütezeit – viele Könige wurden hier gekrönt – Karl der Kahle (848), Robert II., gen. der Fromme (987) und Ludwig VI, gen. der Dicke (1108). Das wichtigste Ereignis, mit dem sich der Name Orléans verbindet, ist die Befreiung durch Jeanne d’Arc von den Engländern im Hundertjährigen Krieg am 8. Mai 1429.

Beim Stadtrundgang unter kundiger Führung zweier Stadtführerinnen zeigen sich bemerkenswerte Gebäude – z.B. das Hotel Groslot, das ehemalige Rathaus der Stadt. Der malerische Backsteinbau wurde im 16. Jh. als Wohnsitz des Vogts von Orléans, Jacques Groslot, erbaut und verschiedentlich erweitert. Jeanne d’Arc empfängt auf einem Sockel vor dem Gebäude. In der Rue Royale wurden die im 2. Weltkrieg stark zerstörten Arkadenhäuser wieder aufgebaut und führen direkt zur Brücke George V. – erbaut Mitte des 18. Jh. Mme. de Pompadour räumte Zweifel an der Haltbarkeit dieser ersten „flach“ erbauten Brücke aus dem Weg durch eine Fahrt über diese – danach machte der Spottvers die Runde „Unsere Brücke ist fest gebaut, sie hat die schwerste Bürde Frankreichs tragen können“ – eine Anspielung auf die Verschwendungssucht der Mätressen Ludwigs XV.

Die mächtige Kathedrale Ste. Croix wurde 1278 begonnen an der Stelle einer aus dem 10. Jh. stammenden Kirche. Nach vielen schweren Zerstörungen – z.B. durch Hugenottentruppen am 24. März 1568 und im Zweiten Weltkrieg durch deutsche und amerikanische Truppen sowie Bombardierungen wurde die Kathedrale immer wieder aufgebaut und restauriert. Die Fassade wurde erst 1829 fertiggestellt – so gehört die Kathedrale nicht zu den herausragenden Beispielen gotischer Baukunst. Originell jedoch ist ihr Säulenkranz auf den oberen Geschossen der beiden Türme. Nachts wird die Fassade in ein buntes Licht getaucht – u.a. sind Szenen aus dem Leben von Jeanne d’Arc zu erkennen; auch einige große Glasfenster sind Jeanne d’Arc gewidmet. Die beiden großen Rundfenster in den Seitenwänden sind nicht im eigentlichen Sinn Rosetten – sie sind „Strahlenfenster“, gestiftet von Ludwig XIV. und tragen außen seinen Ausspruch „Es ist keiner  größer als ich und es kommt mir keiner gleich“.  Im Süden der Stadt entstand in den 1960er Jahren der „Parc floral de la Source“ – im Zentrum liegt die Karstquelle des Loiret. Ein Ort für schöne Spaziergänge – leider hatte der langanhaltende Regen Spuren hinterlassen... Angrenzend an dieses Freizeitgelände hat sich der Campus der Universität entwickelt – die Universitätsleitung residiert im naheliegenden Chateau de la Source. Bereits 1235 hatte Papst Gregor IX. der Stadt das Recht verliehen, „Römisches Recht“ zu lehren, und 1305 wurde mit der „Salle de Thèse“ die renommierte Universität von Orléans gegründet. Ein Besuch im Musée des Beaux-Arts direkt neben der Kathedrale mit Europäischer Kunst aus dem 15.-20. Jh. beschließt diesen Tag.

Nach St.-Benoît-sur-Loire führt uns der nächste Morgen – eine der berühmtesten romanischen Klosterkirchen Frankreichs und im Mittelalter eine der bedeutsamsten Stätten der klösterlichen Kultur. 651 gegründet in dem Ort Fleury, der umbenannt wurde als wenige Jahre später die Mönche des Klosters die Reliquien des hl. Benedikt und die seiner Schwester Scholastika vom Monte Cassino in Italien nach Fleury überführten; sie retteten damit die Gebeine vor der Entweihung durch die lombardischen Eroberer. Diesem Reliquienschatz ist der Aufstieg des Klosters in den darauffolgenden Jahrhunderten zu verdanken. In der Zeit Karls des Großen entstand hier unter Abt Theodulf die Klosterschule von Fleury, zu deren Lehrprogramm die Theologie sowie die sieben freien Künste gehörten (Grammatik, Rhetorik, Logik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie). Oft von Bränden heimgesucht wurde das Kloster immer wieder aufgebaut und erneuert; von den mittelalterlichen Anlagen ist heute nur noch die Abteikirche erhalten. Beeindruckend ist der um 1020 von Abt Gauzlin beauftragte Portalturm, ein Meisterwerk romanischer Baukunst, der „seinesgleichen sucht in ganz Gallien“. Vier sockellose mächtige Pfeiler teilen das Mittelteil des Erdgeschosses in neun gleichgroße, von Kreuzgratgewölben überragte Vierecke. Dies symbolisiert das himmlische Jerusalem, das vom hl. Johannes in der Apokalypse beschrieben wird: „Es entstehen ein neuer Himmel, eine neue Erde und das neue Jerusalem, die Braut des Lammes, mit 12 Toren – drei zum Morgenland, drei nach Norden, drei nach Süden, drei zum Abendland“. Die Kapitelle zeigen in schönsten romanischen Skulpturen stilisierte Pflanzen, Szenen aus der Offenbarung sowie den Lebensgeschichten Jesus und Mariens. Zu sehen sind auch u.a. die Flucht nach Ägypten, das Jüngste Gericht und die Apokalyptischen Reiter. Ein Meister wird namentlich erwähnt VNBERTVS ME FECIT ist einem der Kapitelle eingemeißelt; ein weiteres zeigt, wie sich am Tage des Jüngsten Gerichts ein Engel und ein Dämon um eine Seele in Gestalt eines Männleins streiten! Das romanische Kirchenschiff (ab 1150) wird überspannt von einem gotischen Kreuzrippengewölbe, die auf den romanischen Kapitellen der Säulen ruhen. Die Seitenschiffe des Langhauses führen in einen Umgang um den Langchor. Im Mittelschiff findet sich am Fuße einer Säule die kleine Figur des „Nacktbeters“ mit sichtbarer Wirbelsäule – mögliche Deutung ist eine von oben bis unten sündige Person (Antiislam). Weitere Kapitelle zeigen Ereignisse aus dem Alten und dem Neuen Testament, Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt sowie Inschriften mit dem Namen eines Mönchs Hugo. Im Chor vor dem Hauptaltar findet sich ein kostbarer, restaurierter Marmorfußboden des Vorgängerbaus, der bei Ausgrabungen in den 1950er Jahre entdeckt wurde. Bemerkenswert ist das Nordportal der Abteikirche aus dem Ende des 12. Jh. (1996 restauriert). Im reichgeschmückten Tympanon thront segnend „Majestas Domini“ umgeben von detailreich dargestellten Evangelisten und Engeln; zu erkennen sind auch Erzväter und Propheten des Alten Testamentes. 1108 wird Philipp I. hier bestattet, was die Bedeutung des Klosters in der damaligen Zeit unterstreicht; es ist das einzige noch existierende ursprüngliche Grab eines Königs von Frankreich. In der Krypta unter dem Chor ruhen die Reliquien des hl. Benedikt.

Im kleinen Nachbardorf Germigny-des-Prés findet sich eine kleine Kirche aus der karolingischen Zeit, ein Oratorium, das sich Theodulf (Bischof von Orléans und Berater Karls d.Gr.) neben seiner privaten Villa errichten ließ und im Januar 806 geweiht wurde. Der ursprünglich quadratische Zentralbau von ca. 10 m Seitenlänge hat die Form eines griechischen Kreuzes; das Langhaus wurde im 15. Jh. ergänzt. Im Inneren bilden vier Pfeiler einen Mittelraum, von einer erneuerten Kuppel auf hohen von Arkaden durchbrochenen Mauern überdeckt in einer Höhe bis zu 12,50 m. Die Annalen von Fleury aus dem 9. Jh. überliefern, dass das Oratorium als Nachahmung der Aachener Pfalzkapelle Karls d.Gr. angesehen wurde, was die enge Bindung von Theodulf an den kaiserlichen Hof unterstreicht. Nur Weniges der ursprünglichen Pracht ist erhalten geblieben – Stuck, Mosaiken und ein Marmorfußboden gehörten zur Ausstattung. In der Hauptapsis zeigt das sorgfältig restaurierte Mosaik vier Engel – zwei große (Erz-)Engel und zwei kleine Cherubine, die auf die Bundeslade verweisen, ebenso eine sich von dem Sternenhimmel abhebende Hand. Die Deutung des Bildprogramms führt auf den Bauherrn zurück; Theodulf gilt als Verfasser der „Libri Carolini“, die sich gegen den byzantinischen Bilderkult wendet – Bilder sollten zum Schmuck der Kirchen zwar erlaubt sein, nicht jedoch angebetet werden. Lediglich die Darstellung der Bundeslade macht eine Ausnahme als von Gott und dem Heiligen Geist inspiriert.

Im alten Pfarrgarten dieser kleinen Kirche gab es für uns einen PicknickPlatz, der alles bot, was bei dem doch etwas (!) unbeständigen Wetter vonnöten war – eine für solche Events errichtete Halle mit einem stabilen Dach und einige Tische und Bänke draußen für die Unentwegten. Das Picknick bot wiederum alle Köstlichkeiten wie Paté, Käse, Oliven, Tomaten, Gurken, Salat und Baguette und zum Dessert Obst und die noch vorhandenen Kuchen – der Rotwein durfte nicht fehlen…

In Gien, die östlichste Stadt des LoireTals, besichtigen wir die Faïencerie – bereits um 1820 von einem Engländer gegründet; „Gien“ ist eine der bekanntesten Porzellanmarken Frankreichs. Zu Beginn wurde Tonerde aus der näheren Umgebung für die Herstellung verwendet, inzwischen wird das Material europaweit eingekauft. In dem angegliederten Museum sind großartige Stücke zu sehen – eine ca. 2,5 m hohe Vase mit einem Blumen- und Pfauendekor wurde für einen Wettbewerb hergestellt. Angefertigt (und käuflich zu erwerben!) sind aber auch Teller, Tassen etc. als Gebrauchskeramik.

Der nächste Tag führt uns in die Region südwestlich von Orléans, zunächst nach Cléry-Saint-André. Die ehemalige Stiftskirche Notre-Dame-de-Cléry ist einer der bedeutendsten Sakralbauten Frankreichs im Flamboyant-Stil. Die zuvor an gleicher Stelle stehende Wallfahrtskirche des 13. Jh. zu Ehren Mariens wurde 1428 im Hundertjährigen Krieg von den Engländern zerstört. Karl VII. und Graf Dunois, ein Waffengefährte der Jeanne d’Arc, begannen 1449 mit dem Wiederaufbau. Ludwig XI. förderte diesen Bau, hatte er dies doch 1443 als Dauphin gelobt. Den größten Maler sowie den bedeutendsten Bildhauer seines Reichs, Jean Fouquet und Michel Colombe, beauftragte er mit den Entwürfen; 1483 wurde er hier beigesetzt. Die Kirche ist eine siebenjochige Basilika; der Innenraum, ca. 80 m lang und 27 m hoch, wirkt leicht und harmonisch; die Spitzbogenfenster mit Flamboyant-Maßwerk haben ihre ursprünglichen Glasmalereien verloren, lassen heute ein helles Licht in den Raum. Wichtigstes Ausstattungsstück ist das Kenotaph Ludwigs XI., auf den ehemaligen Marienaltar vor einem Lettner ausgerichtet – das erklärt seine schräge Anordnung. Das ursprüngliche Grabmal wurde in den Religionskriegen zerstört und 1622 durch das heutige von Michel Bourdin ersetzt. Die Gebeine Ludwigs XI. und seiner Frau Charlotte von Savoyen ruhen nahe dem Kenotaph in einem Grabgewölbe. An der Südseite des Langhauses deckt eine Platte das Herz Karls VIII. Auf dem Hauptaltar steht eine thronende Muttergottes mit dem Jesuskind aus Eichenholz; sie wird für eine Plastik des 12. Jh. gehalten, die nach der Überlieferung 1280 bei Feldarbeiten gefunden wurde.

Leonardo da Vinci, der große Universalgelehrte – geb. 15.4.1452, siedelte 1516 im Alter von ca. 64 Jahren nach Frankreich über auf Einladung von König Franz I. Er lebte in Amboise im Chateau „Clos Lucé“ im Park des großen Schlosses von Amboise. Er arbeitete in seinen drei letzten Lebensjahren weiter an seinen zahllosen Erfindungen als Ingenieur, Architekt und Regisseur, wobei er für den Hof wundervolle Feste organisierte. Auch soll er die Wendeltreppe von Chambord beeinflusst haben. Er plante die Verbindung des Loiretals mit der Region von Lyon mittels eines Kanalsystems. Im Chateau sowie im umgebenden Park sind Modelle seiner erstaunlichen Erfindungen zu bewundern (gesponsort von der IBM) – Ingenieurarbeiten zu Waffen und Fluggeräten, er entwarf einen Tauchanzug, einen Schaduf (zur Verteilung von Wasser auf den Feldern), eine bewegliche Brücke und unendlich vieles mehr… An großen Gemälden wie der Mona Lisa (die er hier vollendet haben soll), Johannes der Täufer und hl. Anna Selbdritt arbeitete Leonardo weiter, und in dem kurz vor seinem Tod verfassten Testament erwähnt er alle, die ihm in seinem Leben nahegestanden haben. Am 2.5.1519 stirbt er in Clos Lucé und wird in der Kirche des hl. Florentin beigesetzt. Während der Religionskriege im 16. Jh. wurde das Grab geschändet, so dass Leonardos sterbliche Überreste für immer verloren gingen.   

Eine Weinprobe ist unverzichtbar bei unserer Kulturfahrt – Günter Woldert und Werner Ebert haben die „Aufgabe“ übernommen, uns die Weine der Region näher zu bringen und schmecken zu lassen! Begonnen mit einem Muscadet, über einen Touraine und Pouilly-Fumé/Sauvignon Blanc geht es zu einem Sancerre und einem Vourvray; ein Cabernet de Saumur/Cabernet Franc ist ein wohlschmeckender Rosé, und den Abschluss bildet ein Rotwein aus der Touraine, ein Malbec (Côt). Der Sauvignon Blanc hat eine „grüne Note“ – etwa wie frisch gemähtes Gras oder grüne Beerenfrüchte und ist nach dem Chardonnay die wichtigste weiße Rebe. Im Vouvray (Centre Val de Loire, nahe Tours) wird ausschließlich die Rebsorte Chenin blanc angebaut und das bereits seit dem 9. Jh. – die Beerenfarbe ist goldgelb. Die Höchsterträge werden auf 45 hl/ha begrenzt! Neben Opal, Chalzedon und Spurenelementen entstehen bei der Gesteinsbildung sogen. kieselsäurehaltige Lösungen und erzeugen einen Anklang von Feuerstein in Bouquet und Geschmack. Die von Bernd Gross vorbereiteten Liedtexte, die er schwungvoll auf der Gitarre begleitet, laden zu einem fröhlichen Singen ein, mit der unsere Weinprobe beschwingt endet!

Wir ziehen um nach Bourges, südlich von Orléans abseits der Loire. Auf unserem Weg dorthin besichtigen wir das Schloss Valençay – ein Bau aus dem 16. Jh., ursprünglich von J. d’Estampes begonnen. Es erhielt seine endgültige Gestalt in der zweiten Hälfte des 18. Jh. 1803 erwarb Charles-Maurice de Talleyrand dieses Schloss auf Wunsch Napoleons und baute es prachtvoll aus, damit politische und adlige Prominenz, an denen Napoleon gelegen war, sich hier versammeln konnte. Die Hauptfassade ist aus fünf unterschiedlichen Baugliedern zusammengesetzt. Rechts ist der große runde von einer Kuppel überfangene alte Turm, an den ein niedriger, lang gestreckter Wohntrakt anschließt. In der Mitte erhebt sich ein quadratischer Donjon und weiter links ein vergleichsweise winziger Zwilling des runden Turms. Talleyrand erweiterte die Räumlichkeiten, ließ die offene Galerie des Parkflügels schließen und das Innere komplett im Empirestil umgestalten. Der sehr schön angelegte Park war Schauplatz rauschender Feste. Zunächst jedoch war die Familie des spanischen Königs Ferdinand VII. sechs Jahre lang Bewohner des Schlosses (von Napoleon dorthin verbannt) – Talleyrand war mittlerweile in Ungnade gefallen! 1813 wurde der Vertrag von Valençay unterzeichnet, der den spanischen König wieder in seine Rechte einsetzte. Erst 1814 konnte Talleyrand das Schloss beziehen und zog sich, nachdem er als Minister Ludwigs XVIII. zurückgetreten war, ganz hierher zurück. Das Schloss ist mit Möbeln und Dekorationsobjekten besonders aus der Kaiserzeit prachtvoll ausgestattet – auch ein Tisch, auf dem Talleyrand als Vertreter Frankreichs beim Wiener Kongress 1815 Verträge unterzeichnete, ist zu sehen.

Unser weiterer Weg führt uns durch den „Parc naturel régional de la Brenne“ im Berry – eine landschaftlich äußerst reizvolle Region. Zur Mittagsrast im „Maison du Parc“ genießen wir u.a. Carpe fumée – eine Spezialität der Region. Ein Spaziergang zum „Etang de la mer rouge“ lässt uns die Ruhe dieser Wasserlandschaft genießen; am Ufer gibt es uralte Eichen. Bourges erreichen wir am frühen Abend.

Bei der Stadtführung am nächsten Morgen – wir haben eine Führerin, die aus Rottweil stammt und Familie in der Nähe von Heidelberg hat (!) – lernen wir die Hauptstadt des Berry und ihr mittelalterliches Stadtbild kennen. Gegründet von den Kelten als Avarico, war es Hauptort des Stammes der Bituriger (= Bourges) und eine der größten Städte ganz Galliens. Hier besiegte Caesar im Jahr 52 v. Chr. die aufständischen Gallier, die sich dem von Vercingetorix initiierten Widerstand angeschlossen hatten. Nach verschiedenen weiteren Zerstörungen wurde Bourges unter den Karolingern wieder aufgebaut und war ab dem 8. Jh. Sitz der Grafschaft Bourges. Ab dem 14. Jh. war es Hauptstadt des Herzogtums Berry und 1464 gründete Ludwig XI. hier die Universität Bourges – Studenten aus Heidelberg bringen die Lehre Calvins. Ende des 14. Jh. hatte Jean de Berry, der Bruder des Königs und einer der Mächtigsten im Land, Bourges zur Hauptstadt seines Herzogtums erklärt. Er hatte auch das berühmte „Stundenbuch“ der Brüder Limburg in Auftrag gegeben. Sein Todestag jährt sich dieses Jahr zum 600. Mal (1340-1416). Das große Feuer „L‘incidence de la Madeleine“ zerstörte am 22. Juli 1487 zwei Drittel der Stadt – auch den Palast des Herzogs sowie die von ihm erbaute Sainte-Chapelle. Die Stadt wurde wieder aufgebaut, und bemerkenswerte Adelspaläste entstanden. Durch die Religionskriege sowie Wirtschaftskrisen war ein Niedergang nicht aufzuhalten. Die Stadt setzt heute auf ihr kulturelles Erbe und unternimmt vieles, um Gäste anzulocken; die Adelspaläste wurden aufwändig restauriert, und in den Sommermonaten werden diese nachts in malerisches Licht getaucht.

Die Kathedrale Saint-Etienne, ein gotisches Spitzbogenbauwerk, ist ein Bau von außerordentlicher Schönheit. Erbaut etwa ab 1195 an der Schwelle zur Hochgotik, gehört sie seit 1992 dem UNESCO-Weltkulturerbe an. Die Entstehungsgeschichte des Erweiterungsbaus anstelle der vorherigen Kathedrale beginnt mit dem Bau der Apsis über dem gallisch-römischen Festungswall, was dazu führt, dass eine für gotische Bauten höchst untypische Krypta entsteht von mehreren Metern Höhe. 1214 war der Chor fertiggestellt, wenig später der Rohbau des Altarraums, und die Arbeiten an den hohen Fensterscheiben begannen. Eine Pause trat ein wegen technischer und finanzieller Schwierigkeiten, die Arbeiten wurden 1225 wieder aufgenommen. 1259 brach ein Brand aus, der zum Absenken der Türme aufgrund zu schwacher Fundamente führte – man verzichtete darauf, die beiden Türme höher zu bauen; Philipp IV. ließ mit einer Schenkung von 40 Pfund das Bauwerk befestigen, so dass es 1324 durch Erzbischof Guillaume de Brosse geweiht werden konnte. Im Dezember 1506 stürzte der Nordturm und das anschl. Gewölbe ein; 30 Jahre später wurde der Schaden behoben und der neue Turm im Flamboyantstil wurde gebaut, mit 65 m größer und höher als der Südturm. 1565 verwüsteten Hugenotten die Kirche schwer, Apostelstatuen des Hauptportals wurden zerschlagen. Im 18. Jh. wurde der Chor von den Bildhauern Slodtz und Vassé neu gestaltet. Die zahlreichen, hohen Glasfenster geben einen Überblick über die Glasmalerkunst vom 12.-17. Jh. Der Bau hat eine Länge von ca. 118 m und eine Breite von ca. 41 m, die Höhe des Mittelschiffs ist 38 m. Aufgrund der relativ kurzen Bauzeit gilt die Kathedrale als ungewöhnlich homogen. Auffallend ist die durchgehend fünfschiffige Gestaltung unter gänzlichem Verzicht auf Querschiffe; eine Besonderheit ist die Staffelung der Seitenschiffe, wobei sich der dreiteilige Wandaufbau des Mittelschiffs im inneren Seitenschiff 16 m tiefer wiederholt. Der Innenraum wirkt weiter und luftiger als das bei den viel verbreiteteren klassischen Basilika-Typen wie dem zeitgleich erbauten Chartres der Fall ist. Die Westfassade weist mit den fünf Toren prominent auf die Fünfschiffigkeit der Kathedrale hin – die Tympana zeigen Ursinus von Bourges, den Hl. Etienne, das Jüngste Gericht, die Jungfrau Maria und den Hl. Guillaume.

Gegenüber der Kathedrale im Ancien Palais Archiépiscopal befindet sich das „Musée des meilleurs ouvriers“ – ein kleines Museum mit Ausstellungsstücken der besten Handwerker Frankreichs. Zu sehen sind prämierte Modelle eines alle drei Jahre ausgeschriebenen Wettbewerbs, z.B. Kunst-Handwerk, Schmuck, eine Abendrobe, auch das Modell einer Dachkonstruktion oder eines Fachwerkhauses.

Ein besonderes Symbol für Macht und Reichtum ist das Palais Jacques Cœur (1395-1456). Hohe, steile Dächer, verzierte Giebel, große Kreuzstockfenster, Türmchen und Filialen, ein prächtiges Maßwerkfenster über dem Eingang, die Innausstattung bis hin zu einem Dampfbad ist ihrer Zeit weit voraus  – hier wirkten Geld, Macht und Geist in einer seltenen Weise zusammen. Und – dieses Gebäude wurde beim großen Brand 1487 nicht zerstört! Jacques Cœur wurde ca. 1395 in Bourges als Sohn eines Pelzhändlers geboren und verkörpert als weltoffener, risikofreudiger, auch abenteuerlustiger Mann den Aufstieg des französischen Bürgertums, 1440 wurde er geadelt und avancierte zum Schatzmeister (Argentier) des Herzogs Jean de Berry; ebenso gewann er das Vertrauen des Königs Karl VII., der ihn u.a. zu diplomatischen Missionen zum Papst nach Rom schickte. Cœur baute ein Handelsunternehmen auf und unternahm weite Reisen im Mittelmeerraum. In den zahlreichen Dekors seines Hauses spiegelt sich dies wieder – zu sehen sind Orangenbäume, Palmen und Ananas; auch Muscheln und Herzen (Jacques Cœur) sind zu sehen, ebenso sein Wahlspruch „A vaillant coeur, riens impossible“ (Dem Tüchtigen ist nichts unmöglich). Er fiel in Ungnade, konnte aber fliehen und starb als Mitglied der päpstlichen Flotte gegen die Türken 1456 auf der Insel Chios.

Wir verlassen Bourges am Sonntag Morgen, und unterwegs besuchen wir noch Pontigny. Diese ehemalige Zisterzienser-Abtei liegt im Burgund, nordöstlich von Auxerre. Gegründet 1114 wurde die Abtei in relativ kurzer Zeit erbaut (bis 1155); trotzdem wurde während der Bauzeit entschieden, das Hauptschiff mit Spitzbogenfenstern zu bauen, was ermöglichte, höher bauen zu können. Das schon vollendete Querschiff mit den Rundbogenfenstern beließ man. Ein Narthex ist dem Langhaus vorgebaut. Das Gebäude ist den Regeln der Zisterzienser entsprechend sehr schlicht gehalten und wirkt besonders durch das weiße Mauerwerk – das Weiß symbolisiert das Licht und damit Gott. Der Erzbischof von Canterbury, Edmund Rich von Abington, verließ England infolge von Streitigkeiten mit dem König und ging nach Pontigny – nach seinem Tod 1240 wurde er in der Abtei beigesetzt und 1247 von Papst Innozenz heiliggesprochen. Im Querschiff steht eine Schutzmantelmadonna aus dem 13. Jh. Das Chorgestühl aus Eichenholz stammt vom Ende des 17. Jh.

Unsere abwechslungsreiche Reise fand mit einem Picknick gegenüber der Abtei von Pontigny ihren Abschluss; unser Fahrer Jakob meisterte danach gut auch das letzte Stück Fahrt. Ein herzliches Dankeschön nochmal an Claudia Ebert für all die Mühe, so viele Orte zu finden und Details zu vermitteln – und das alles so gut zu organisieren! Ebenso an alle, die an den verschiedenen Aktivitäten wie Weinprobe, Gesangseinlagen, Informationen etc. beteiligt waren. Wird es im nächsten Jahr eine Frankreich-Fahrt geben oder wird ein anderes Ziel angestrebt? Wir freuen uns darauf – au revoir et à bientôt!

Martha Berg

Kulturfahrt vom 13. 6. - 22. 6. 2014

Kulturfahrt 13.-22.6.2014
von Martha Berg

Die Fahrt durch den Sundgau nach Thann zeigt uns das im südlichen Elsass liegende Land bei strahlender Sonne. St. Thiébaut, das Münster von Thann, mit seinem 76 m hohen Turm zählt zu den bedeutendsten gotischen Bauten am Oberrhein. Das Westportal bietet mit einer Höhe von 18 m und der Breite von 8 m Raum für ein Tympanon mit einer Vielzahl von skulpturalen Szenen – lange kann man stehen und sich in die Bildgeschichten vertiefen. Das nächste Ziel steht im Kontrast zu diesem gotischen Bau – eine Architekturikone, nicht nur des Kirchenbaus sondern der gesamten Architekturgeschichte: „Chapelle Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp“. Auf einem Hügel nahe Ronchamp im Dept. Haute-Saône stand schon seit dem 15. Jh. eine Wallfahrtskirche, die mehrere Male durch Kriege und Brände zerstört wurde. Der geniale Architekt Le Corbusier entwarf in den 1950er Jahren diese Kapelle als neue Wallfahrtskirche, weithin sichtbar durch ihre exponierte Lage auf dem ca. 470 m hohen Bourlémont. Der asymmetrische Grundriss erstreckt sich über ca. 30 x 40 m, Natursteinmauerwerk mit einer Oberfläche aus weißem, sehr körnigen Verputz unterstreicht die Schlichtheit der Kapelle – kleine, in die Betonwände eingefügte Fenster lassen die hohe, schlichte Wand um die Marienstatue wie einen Sternenhimmel erscheinen. Ein muschelförmiges Dach, das auf der ca. 9 m hohen Wand wie ein riesiger, pilzförmiger Hut aufsitzt, ragt teilweise über die Außenmauern hinaus und bietet somit Schutz für den Freiluftaltar, an dem ca. 1200 Personen für einen Gottesdienst Platz finden können.
Nach der ersten Übernachtung in Besanc̦on, mit ca. 116.000 Einwohnern Hauptstadt der Franche-Comté, erkunden wir am nächsten Morgen die Stadt. Mit dem Bus fahren wir auf die Höhe über dem Doubs mit einem weiten Blick auf die Stadt, wie auf einer Insel inmitten einer großen Doubs-Schleife gelegen, sowie auf die von Vauban, dem großen Baumeister Ludwigs XIV., errichtete Festung; später erkunden wir zu Fuß die schöne Altstadt. Besanc̦on hat eine überaus wechselhafte Geschichte – im 2. Jh. v.Chr. als Vesontio Hauptsitz der keltischen Sequaner, 58. v.Chr. von Caesar erobert und einer der Hauptorte der Provinz Gallia Belgica, wurde die Stadt danach Teil des Merowinger-Reiches, des Westfrankenreiches sowie des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation; 400 Jahre lang hatte sie den Status einer „Freistadt“, die direkt dem Kaiser unterstellt ist, ab 1678 wird Besanc̦on Teil des französischen Reiches. Nach Pest und Hungersnöten erlebt die Stadt ab dem Ende des 18. Jh. einen wirtschaftlichen Aufschwung durch die Uhrmacherei, nach deren Niedergang siedelten sich in der Neuzeit moderne Industrien wie Mikrotechnologie etc. an. Eine an exponierter Stelle auf der Brücke über den Doubs stehende Bronzestatue stellt Joulfroy d’Abbans dar, den Erfinder des ersten Dampfschiffs. Die Cathédrale St-Jean, entstanden zwischen dem 9. und 13. Jh., ist ein Bauwerk mit zwei Apsiden und zwei Orgeln; die ältere aus dem Jahr 1764 stammt von dem Orgelbauer Riepp und hat 22 Register auf zwei Manualen und Pedal.
Ein Stück (Wirtschafts-)Kultur ist die „Saline royale d’Arc-et-Senans“. Hier handelt es sich um eine Anlage zur Salzgewinnung, die der Architekt Ledoux von 1775-1779 im Auftrag Ludwigs XVI. erbaute; 1983 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Die kleine Stadt, südwestlich von Besanc̦on, liegt in einer Region, in der schon seit der Römerzeit Salz gewonnen wurde. Der Architekt – mit seinen futuristischen Gebäuden, deren Modelle in einer Ausstellung zu sehen sind, seiner Zeit weit voraus –  entwarf eine Anlage mit einem halbkreisförmigen Hof, zehn Gebäude umstehen ihn; es handelt sich u.a. um Fabrikationsgebäude, Wohnräume für die Arbeiter und ihre Familien sowie an zentraler Stelle das Haus des Direktors mit einem Pyramidendach und Laterne sowie einem Portikus mit schweren Rustika-Säulen. Ein Okulusfenster im Tympanon symbolisiert das Auge des Direktors, der als direkter Vertreter des Königs sämtliches Geschehen im Hof überwacht – nicht zuletzt daran ist die Wichtigkeit des Monopols der Salzgewinnung als Grundlage für den Reichtum der Region abzulesen!
Am Sonntag geht die Fahrt weiter in Richtung Avallon; unterwegs zunächst die Stadtbesichtigung in Autun, eine Hochburg burgundischer Kunst und Kultur. Mit einer Stadtführerin, die seit ca. 20 Jahren in Autun zu Hause ist, aber aus Lampertheim stammt, fühlen wir uns bestens informiert! Kaiser Augustus gründete 10 v.Chr. die Stadt als Augustodunum an der Via Agrippa. Der in der Nähe auf einem Hügel gelegene Stammsitz der keltischen Haeduer, – die Livius als „Brüder der Römer“ bezeichnete – wurde bereits 121 v.Chr. erwähnt, aber zugunsten der neuen Stadt aufgegeben. Mit der Zeit wurde diese nach Lugdunum (Lyon) die zweitgrößte Stadt der Provincia Gallia Transalpina. Stadttore, die Porte St-André und die Porte d’Arroux, durch die die Via Agrippa Lyon mit Boulogne-sur-Mer verband, sowie ein antikes Theater mit 148 m Durchmesser (es konnten 15.000 Zuschauer Platz finden!), sind Überreste aus der römischen Zeit; auch der sogen. „Janustempel“ ist in diese Zeit zu rechnen – welchem Gott der Tempel wirklich gewidmet war, ist nicht mehr festzustellen. Unserer KulturfahrtGruppe bot er aber einen wunderschönen Platz für eines der angesagten Picknicks – mit Paté verschiedenster Sorten, einer Auswahl typischer Käse, Wurst, Oliven, Tomaten, Baguette, Obst und vin rouge blieben keine Wünsche offen! Gegen Ende des 3. Jh. mehren sich Invasionen und Überfälle der Sarazenen und Normannen. Die Franken machen Autun 532 zu ihrer Hauptstadt – eine erste Kathedrale St. Nazaire entsteht, und Autun wird zu einem Zentrum der frühchristlichen Zeit. Karl der Kahle überträgt 850 dem Bischof die Stadtherrschaft; 895 wird die Stadt von den Normannen zerstört, und erst im 12. Jh. kommt es zu einem neuen Aufschwung. Eine neue Kathedrale wird gebaut, St. Lazare, die 1130 geweiht wird; sie gilt als eines der großartigsten und wichtigsten romanischen Bauwerke Burgunds. Als Baumeister für diese Kathedrale konnte der begabte Steinmetz Meister Gislebertus gewonnen werden, dessen Bildhauerarbeiten von überragender Bedeutung sind. Unzweifelhaft ein Meisterstück ist die Darstellung „Tentation d’Eve“, die mit ihrem lebendigen Ausdruck jeden Betrachter fesselt! Unwesentlich jünger ist das um 1135 entstandene Tympanon des Hauptportals im Norden mit einer Fülle von Figuren, mit der Meister Gislebertus eine Interpretation des Jüngsten Gerichts zeigt – zu Füßen Christi ist die Signatur zu erkennen „GISLEBERTUS HOC FECIT“. Auch im Innern zeigen die Kapitelle der zahlreichen Säulen Bildergeschichten in derselben Qualität! Das Langhaus der Kirche folgt deutlich dem Vorbild der nur wenig älteren dritten Kirche des mächtigen Klosters Cluny (1088); von dort werden für den wohlproportionierten Innenraum (ca. 67 m Länge, 23 m Höhe und 21 m Breite) u.a. der steile dreigeteilte Wandaufbau und die spitzbogigen Arkaden zwischen kreuzförmigen Pfeilern übernommen. Während der Französischen Revolution wurde fast alles zerstört; unter der Leitung von Viollet-le-Duc begann man an der Wiederherstellung zu arbeiten, und seit 1949 trägt die Kathedrale den Titel einer päpstlichen „Basilica minor“. Der 100jährige Krieg hinterließ auch in Autun seine Spuren – die Stadt und die Kathedrale wurden 1379 von den Engländern zerstört; sie litt aber auch unter der Pest und den Religionskriegen des 16. Jh. Den wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung verdankt Autun u.a. der Familie Rolin. Am Abend werden wir mit einem Menu verwöhnt, das ein Vorspeisenbuffet bietet und danach als Hauptgericht Joue de porcelet à la Bourguignonne (Jungschweine-bäckchen) mit neige de pommes de terre, ein Genuss! – danach als Höhepunkt ein Dessertbuffet mit den köstlichsten Süßspeisen – mousse au chocolat, tarte aux fraises, glacées, tarte aux pommes etc.
Hoch über dem Cousin-Tal auf einem Granitplateau erreichen wir die Altstadt von Avallon (ca. 8.700 Einwohnern), ebenfalls von den Haeduern vor rund 2000 Jahren als gallische Festung ausgebaut und aufgrund ihrer Lage strategisch bedeutsam. Der anglo-romanische Heerkönig Riothamus flüchtete nach seiner Niederlage 470 n.Chr. gegen die Goten hierher und wurde zu einem der Vorbilder für die frühmittelalterliche Artus-Sage. In der Stiftskirche St. Lazare, 1106 vollendet, ist in dem noch erhaltenen kleineren Portal im Tympanon eine Darstellung der Weisen aus dem Morgenland zu erkennen. Die Figuren zeigen eine enge Beziehung zu den Skulpturen, die sich in ihrer Ausführung an dem nördlichen Chartres orientieren, nicht an Cluny, wie das in Vézelay zu sehen ist.
Vézelay, ein kleiner Ort in den nordwestlichen Ausläufern des Morvan, beherbergt ein architektonisches Kleinod – die romanische Wallfahrtskirche Ste. Marie-Madeleine. Vézelay war im 12. Jh. das unangefochtene Zentrum des Magdalenenkultes und hatte auch große Bedeutung für das politische Geschehen in Europa: Bernhard von Clairvaux rief hier 1146 zum 2. Kreuzzug auf, 1190 trafen sich Philipp II. und Richard Löwenherz zum Aufbruch in den 3. Kreuzzug und Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury, sprach hier in seinem Exilort den Bannfluch über König Heinrich II. aus. Bereits im 9. Jh. wurde eine Benediktinerabtei (als Frauenkloster) gegründet. Begonnen wurde die Kirche im 12. Jh., mehrfach durch Brand zerstört; Chor und Querschiff wurden im 13. Jh. im frühgotischen Stil errichtet. Vom dunkleren Hauptschiff bietet sich ein faszinierender Blick in den durch die hohen Fenster hellen, lichten Chor. Nach den Zerstörungen während der Revolution, ist es vor allem Viollet-le-Duc zu verdanken, dass die Abteikirche im 19. Jh. vor dem drohenden Verfall gerettet wurde. Wunderbar ausgearbeitete Tympana über dem Haupt- und den Nebenportalen stellen das Pfingstereignis sowie Anfang und Ende des irdischen Lebens Jesu dar. Weltberühmt sind die 99 Kapitelle im Kirchenschiff – sie zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie aus dem Leben der Heiligen. Den Pilgerströmen sollte mit bekannten Bildern aus dem alltäglichen Leben das Evangelium vermittelt werden – das berühmteste Kapitell ist die „Mystische Mühle“ mit der Darstellung der Verwandlung des Alten Testamentes in den Neuen Glauben.
La-Charité-sur-Loire, die kleine Stadt mit ca. 5.000 Einwohnern, liegt an einem bedeutenden Jakobsweg am Ufer der Loire und birgt ein romanisches Sakralensemble. Die Errichtung des Priorats durch den Abt Hugo von Cluny beginnt im 11. Jh.; das bedeutende Kloster wurde auch als „erstgeborene Tochter Clunys“ bezeichnet – das wohltätige Wirken der Mönche führte zu dem sprichwörtlichen Namen. Der Kirchenbau aus dem 12. Jh. zeigt zwei verschiedene aufeinanderfolgende Bauzustände der Kirche. Ursprünglich eine Kirche mit einem aus sieben Apsiden bestehenden Chorbereich, die Vierung wurde mit dem heute noch bestehenden Vierungsturm bekrönt. In der 2. Hälfte des 12.Jh. wurden die drei mittleren Apsiden durch einen Umgangschor mit Kranzkapellen ersetzt und das Langhaus um zwei auf zehn Joche erweitert. 1204 stürzte der südliche Turm in das Langhaus; wenig später wurden Teile des Seitenschiffs zur Pfarrkirche gemacht – 1791 nach Auflösung des Klosters wurden die Reste des zerstörten Langhauses zu Wohnhäusern umfunktioniert! Noch heute ist an dem erhaltenen Nord-Turm ein außerordentlicher Schmuckreichtum zu sehen. Im Tympanon über dem zugemauerten linken Portal erscheint Christus in einer Mandorla, links von ihm zwei Engel und rechts Maria – ein letztes Aufflackern des bewegten Spätstils der burgundischen Romanik.
Uzès, uns allen wohlbekannt aus zahlreichen Besuchen, erreichen wir durch das Rhônetal auf der Autoroute du soleil – es riecht nach Süden, Sonne und Lavendelblüten – und werden im Hotel St. Geniès freundlich empfangen. Der nächste Morgen führt uns nach Les-Baux-en-Provençe; wir sind fasziniert von „Les Carrières de Lumières“ – diese Multivisionsschau wird inszeniert in den durch Kalksteinabbau entstandenen Steinbrüchen – und zeigt derzeit „Klimt und Wien“. Die Farben der Bilder – neben Klimt auch von Schiele und Hundertwasser – sind überwältigend in dieser Größe! Noch ein kurzer Rundgang durch das Dorf, dann geht es weiter zur „Salin d’Aigues Mortes“. Die Salzgewinnung aus Meerwasser hat eine jahrhundertealte Tradition und stellt noch heute einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Eine Rundfahrt mit dem Minizug durch die Saline zeigt die Methoden der Salzgewinnung – uns zeigt der Wettergott aber seine gewittrige Seite!
Carcassonne – das Ziel des nächsten Tages. Eine geschichtsträchtige Region ist das Languedoc-Roussillon – das Land der Farben, aber auch der Katharer (vom griech. katharós = rein). Die Katharer sahen sich selbst als die „wahre“ christliche Kirche und wurden von der katholischen Kirche verfolgt – sie wurden als Häretiker im Zuge des Albigenserkreuzzugs (1209-1229) sowie durch die Inquisition im 13. Jh. verfolgt und vernichtet. Carcassonne mit ca. 47.000 Einwohnern liegt im Dept. Aude an der alten Handelsstraße zwischen Mittelmeer und Atlantik. Die Cité von Carcassone wird umgeben von einer Stadtmauer aus gallorömischer Zeit, im 13. Jh. erneuert von Simon IV. de Montfort, der die Stadt zum Verwaltungsort der Inquisition in Südfrankreich ernannte. Die Basilika St. Nazaire et St. Celse mit einem romanischen und einem gotischen Teil steht am höchsten Punkt im Zentrum der Cité. Im Außenbau lassen sich das niedrige, romanische Langhaus und die hohe gotische Chorpartie unterscheiden. Im Innenraum beeindrucken die klaren Linien des dreischiffigen Langhauses – es wird von einigen Forschern mit cluniazensischen Bautraditionen in Verbindung gebracht. Die Kapitelle zeigen abstrahierte, vegetabilische Formen und geometrische Ornamente. Die hohen Fenster haben teilweise noch ihre originale Verglasung aus dem 14. und 16. Jh. Die gotische Bischofskapelle aus dem 12. Jh. ist noch erhalten, der ehemals vorhandene Kreuzgang ist jedoch verschwunden. Das im 19. Jh. umgestaltete Tympanon befindet sich auf der Nordseite. Wir erleben in der Kathedrale den Gesang eines Männerchores aus Moskau – gerade richtig für unsere beiden Mitreisenden, die an diesem Tag ihre Goldene Hochzeit feiern!
Nahe Uzès liegt in einem kleinen Tal die eigentliche Eure-Quelle – selten bekommt man Zutritt, da sich hier noch immer ein wichtiges Amt der Wasserversorgung für die Region befindet; Claudia ist es gelungen, für den frühen Morgen einen kurzen Besuch für uns zu organisieren. Während der Römerzeit versorgte die  Eure u.a. die Stadt Nîmes über ein Aquädukt (inkl. Pont du Gard) mit Trinkwasser. Die von den Römern kurz vor der Zeitenwende in Stein gefasste Quelle ist noch heute in ihrem Original-zustand zu sehen – klarstes Wasser von bester Qualität! Danach lassen sich bei einem Rundgang durch Uzès noch immer eine paar neue Ecken unserer Partnerstadt entdecken, vor allem genießen wir den Blick auf die alten Adelshäuser, in denen u.a. der Film mit Gérard Dépardieu „Cyrano von Bergerac“ gedreht wurde. Am Abend haben unsere französischen Freunde zu einem Treffen am idyllischen Platz in der Nähe der Eure-Quelle eingeladen. Das Comité de jumelage bereitet uns einen herzlichen Empfang mit einem Pastis o.ä. zur Begrüßung und einer köstlichen Paella zum Genießen. Gérard Bonneau stellt uns das veränderte und dadurch verjüngte Comité vor – wir hoffen auf weitere zahlreiche Treffen!
Der Samstag bringt den quirligen Markt – die Einkaufs“Zentrale“ für die Menschen aus Uzès und Umgebung – sowie das traditionelle Austernessen. In diesem Jahr steht uns noch der Samstag Nachmittag zur Verfügung für eine Besichtigung der Bambouseraie d’Anduze, eine von Eugène Mazel 1856 gegründete ca. 40 ha große Parkanlage mit prachtvollen Bambus-Bäumen und -sträuchern und einem japanischen Garten – ein Refugium der Ruhe! Den krönenden Abschluss bildet am Abend die letzte Weinprobe, die Udo Lehmann zusammen mit Günter Woldert vorbereitet hat. Wie immer hören wir Details zu den mit Bedacht ausgewählten Weinen, dieses Mal Rotweine aus dem Gebiet  Corbières – jeweils aus kleinen Appellationen. Wir beginnen mit einem Fitou Protègès 2011, Reserve, mit 14,5 Vol.% Alkohol; es folgt ein Saint Chinian 2011, AOC, 14%. Dieser Wein besteht aus 60% Syrah, 20% Grenache und 20% Mourvèdre und ist ca. 12-18 Mon. im Eichenfass gelagert. In Paris wurde er mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Der letzte Wein ist ein Corbières Boutenac 2010, AOC, Cuvée Aristide, 14,5%, bestehend aus 50% Carrignan und 50% Grenache und Mourvèdre. Der Wein wurde mit einer „Goldmedaille Brüssel“ ausgezeichnet – der Name einer wichtigen Weinmesse, die jährlich in einer anderen europäischen Stadt stattfindet, aber immer „Brüssel“ heißt. Wir haben es genossen und sagen den beiden connaisseurs en vin danke für die Mühe der Auswahl, die vielleicht auch manches Mal ein Vergnügen war!? Und – Claudia schlägt Udo im Namen der Compagnie bachique de Kulturfahrt zum „Chevalier du vin de jumelage“!
Ein besonders herzliches Dankeschön an Claudia für die großartige Auswahl der Stationen unserer Fahrt, das Zusammentragen so vielfältiger Informationen und das Vermitteln an uns als (meist) aufmerksame Zuhörer – und natürlich für das Organisieren von Fahrt und Hotels. Viele Details könnten hier noch ergänzt werden…. Wir freuen uns auf das nächste Mal in Frankreich – wohin auch immer es uns führen wird!

Kulturfahrt 2013 im Norden Frankreichs

Bericht des Mannheimer Morgen

Verzaubert von den großen Kathedralen
Der Norden Frankreichs, die Picardie und das Nord-Pas-de-Calais, war das Ziel der jüngsten Kulturfahrt des "Förderkreises Partnerschaft Schriesheim-Uzès". Wiederum unter der bewährten Leitung und Organisation von Claudia Ebert geht die Fahrt vorbei an der Champagne nach Norden, nach Arras. Dort beeindrucken die Place des Héros mit gotischem Rathaus sowie die Grande Place. In dieser landschaftlich reizvollen Gegend sind die Kriege des 20. Jahrhunderts allgegenwärtig, große Denkmäler und die Soldatenfriedhöfe erinnern daran.
Eine Fahrt durch so berühmte Orte wie Le Touquet-Paris-Plage und Boulogne-sur-Mer, der größte Fischereihafen Frankreichs, führt zu den Höhepunkten dieses Küstenabschnittes - das "Cap Griz-Nez" und das "Cap Blanc-Nez". Bei klarer Sicht sind über "La Manche" hinweg die Kreidefelsen von Dover zu sehen. In Boulogne-sur-Mer steht der Besuch von Nausicaá an, ein beeindruckendes Meeres-Museum mit vielen fremdartigen Meeresbewohnern.
"Les jardins de Valloires" sind kleine Perlen der Gartenkunst. Angelegt bei einer Zisterzienser-Abtei zeigt sie französische Gärten, englische Gärten und einen naturalistischen Garten. Amiens ist die Hauptstadt der Picardie mit der größten Kathedrale Frankreichs. Eine Führung bringt Erklärungen der Fülle von Figuren und Darstellungen in den drei großen Portalen.
Gerberoy - eines der schönsten Dörfer Frankreichs: Dieser kleine befestigte Ort hat eine großartige Fülle von Rosen zu bieten - die Fachwerkhäuser sind über und über mit Rosenbüschen geschmückt. Die Kathedrale Saint Pierre von Beauvais - die größte der Christenheit hatte sie werden sollen, geblieben sind der Chor und das Querhaus, das Langhaus wurde nie gebaut.
Sehr geschichtsträchtig ist die "Clairière de l'Armistice" im Wald von Compiègne, Ort der Unterzeichnung des Waffenstillstands im berühmten "Salonwagen" zwischen Frankreich und Deutschland 1918 sowie des Waffenstillstands zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich 1940.
Den Abschluss der großen Rundfahrt bildet Soisson, die alte Hauptstadt der Merowinger. Die Reste der "Ancienne Abbeye St. Jean des Vignes" sowie die prachtvolle Fassade des Rathauses zur Aisne geben der Gruppe letzte Eindrücke Frankreichs mit auf den Heimweg. zg  © Mannheimer Morgen, 03.07.2013

Kulturfahrt 2012

Chateau de Blois
Brantôme
Empfang in Uzès

Von Martha BERG

Freitag, 8.6.2012, ist der Start zur diesjährigen Kulturfahrt des Förderkreises Partnerschaft Schriesheim-Uzès. Wir begrüßen Frankreich mit einem Sektempfang und erreichen danach mit Troyes unser erstes Ziel.
Von beiden Weltkriegen verschont, ist Troyes der größte Ort Frankreichs mit einer vollständig erhaltenen Altstadt aus schönen Fachwerkhäusern, malerischen Gassen und beeindruckenden Kirchen. Die ehemaligen Stadtmauern haben der Altstadt die Form eines Champagnerkorkens gegeben. Bevor wir am nächsten Morgen unser nächstes Ziel ansteuern machen, wir Halt beim Château Blois, dem berühmten Schloss an der Loire. Besonders sehenswert ist die offene, achteckige Wendeltreppe, ein Meisterstück der Renaissance.
Weiter geht es entlang der Loire in Richtung Tours – aber zunächst gibt es unterwegs das vielgerühmte Picknick. Kaum hat der Bus angehalten, öffnen sich die Türen zum Gepäckraum, Tische und Bänke werden ausgeladen sowie all die Köstlichkeiten, die für ein französisches Picknick nötig sind – Käse verschiedenster Art, Paté in köstlichen Geschmacksrichtungen, knuspriges Baguette, Tomaten, Gurken, Oliven – und natürlich „vin rouge“!
TOURS zeigt sich uns an einem verregneten Sonntag. Die bereits gebuchte Stadtführung wird trotz des Regens ein voller Erfolg – nicht zuletzt aufgrund der kompetenten Führung durch Steffie aus dem Saarland. Udo Lehmanns Weinproben (dieses Jahr in Etappen serviert) sind immer ein Höhepunkt. Er bietet uns mit viel Fachwissen ausgesuchte Weine der Region an und informiert über die Besonderheiten – die Lagen, die Winzer, die Rebsorten, die Mengen, die Mischungen, die Gütesiegel…
LIMOGES ist auf dem Weg ins Perigord unsere nächste Station. Schon im Mittelalter haben Mönche die Kunst der Emailarbeiten zu hoher Blüte gebracht. Das wunderbare Musée de l’Émail ist im alten Bischofspalast wunderbar eingerichtet. Eine bedeutende romanische Kirche liegt am Weg in Richtung Perigueux, die Église abbatiale de Solignac, die St. Eloi gewidmet ist. Diese geht zurück auf eine Abtei, im 7. Jh. gegründet (an der Via compostella). Nach mehrmaliger Zerstörung und Wiederaufbau hat sich eine prächtige, romanische Kirche aus dem 12. Jh. erhalten. Am Abend erreichen wir unser nächstes Ziel, Chancelade ein Vorort von Perigueux und wohnen in der Orangerie des Schlosshotels - Château des Reynats.
BERGERAC steht für den folgenden Tag auf dem Programm – nach Périgueux die zweitgrößte Stadt im Dept. Dordogne. Die Blütezeit der Stadt war im 12. Jh. aufgrund der Handelsströme zwischen der Auvergne und dem Limousin im Landesinnern und der Hafenstadt Bordeaux. Die Fahrt führt weiter zur Dordogne- Schleife „Cingle de Trémolat“ (zu erreichen nur auf kleinen, schmalen Straßen – für Busse nicht unbedingt geeignet!). Von einem Hügel hat man einen guten Blick über den gewundenen Wasserlauf und die schöne, grüne Landschaft.
BRANTÔME wird am nächsten Morgen besucht. Eine Brücke über die Dronne aus dem 16. Jh. verbindet die Stadt mit der auf der gegenüberliegenden Seite stehenden Benediktinerabtei St.Pierre de Brantôme.
PERIGUEUX ist die Hauptstadt des Départements Dordogne. Der keltische Stamm der Petrokorier ist der Namenspatron der Stadt; sie siedelten am Ufer, nahe der heiligen Quelle von Vesunna. Unsere Führung begann auf dem Turm der alten Stadtmauer, der eine grandiose Aussicht über die beiden Stadtteile bietet. Die Kathedrale St-Front steht heute als Teil des Weltkulturerbes „Jakobsweg in Frankreich“. Der nächste Abschnitt der Busreise ist der längste – er führt von Périgueux nach Uzès. Nach dem ersten Drittel der Strecke gibt es eine willkommene Unterbrechung mit der Besichtigung der weltberühmten Höhle „Pech merle“ (Amsel Hügel). Die dort zu sehenden Zeichnungen unserer Vorfahren sind schätzungsweise 24.600 Jahre alt.
UZÈS erreichen wir nach einem schönen Picknick erst am späten Abend und werden dort  von Gérard Bonneau, dem Vorsitzenden des „Comité de Jumelage“ in Uzès, begrüßt. Am Nachmittag besichtigen wir den „Jardin Médiéval“ und der krönende Abschluss dieses Tages ist der Grillabend an der Eure-Quelle. Unsere Freunde aus Uzès haben in diesem Jahr ein großes Zelt aufgebaut. Zwei Diskjockeys bieten eine flotte Musik an – am Ende noch einen Wiener Walzer! Wir sitzen bunt gemischt, und die Sprachprobleme mit deutsch bzw. französisch werden geringer, je weiter der Abend voranschreitet!
Samstag ist wie immer Markttag, den die Teilnehmer der Kulturfahrt nicht missen wollen. Die Austern-Liebhaber kommen am späten Vormittag auch in den Genuss ihrer Spezialität - dazu ein letzter Schluck kühlen Weißweins – bevor der Bus um 12:30 Uhr abfährt. Müde aber sicher kommen wir nach Mitternacht in Schriesheim an.

Kulturfahrt 2011

Kulturfahrt vom 27. Mai bis 4. Juni 2011
Bericht von Gaby Schmitz

Unsere Ankunft in Frankreich  wird gleich - comme il faut - mit einem Glas Sekt begossen..
Nancy, die Stadt des Jugendstils, ist unser erstes Ziel. Großartige Beispiele für diesen Stil  sind der Place Stanislas mit seinen goldenen Torverzierungen, das Rathaus und viele Werke im Jugendstilmuseum. Unter Emile Gallé erlebte dieser Stil einen ungeheuren Aufschwung.Die Beispiele des klassizistischen Städtebaus sind Teil der UNESCO Liste des Weltkulturerbes.
Über St. Nicolas de Port mit seiner spätgotischen Basilika im Flamboyantstil geht es nach Toul zur gotischen Kathedrale St. Etienne und über Domrémy, den Geburtsort von Jeanne d'Arc,  nach  Vaucouleurs, wo es Jeanne endlich gelang die Franzosen zu überzeugen, dass sie ausgewählt sei, die Engländer aus Frankreich zu vertreiben.

An Langres vorbei, dessen Befestigungsmauer heute eine Promenade ist, die die ganze Stadt umgibt, kommen wir nach Tournus, wo viel Wein angebaut wird.  Die Abteikirche St. Philibert ist eine der schönsten frühromanischen Sakralbauten Frankreichs.

Zwischendrin sorgen unsere Picknicks mit Baguette, Pâté, Käse, Rotwein und allem was dazu gehört für unser leibliches Wohl. Meistens könnten wir allerdings ein wenig Sonne gebrauchen.

Das ehemalige Kloster Brou besticht durch seine Gesamtgestaltung, den Fenstern und Grabmälern und den einmaligen Steinmetzarbeiten.Es wurde von Margarete von Österreich als Grablege für ihren Mann, Herzog Philibert von Savoyen II ausgebaut, der ganz jung starb.

Lyon war früher berühmt für seine Seidenweberei - heute ist es Bankenzentrum und ein wichtiger Standort für Chemie und Maschinenbau, seine Museen und Renaissancebauten. Das Musée des Tissus et des Arts Décoratifs wurde vor ca. 100 Jahren von der Handelskammer Lyon gegründet  und im Hotel de Villeroy eingerichtet. Die Sammlung ist gegliedert in Orient und Okzident, wobei die französische Seidenherstellung eine besondere Bedeutung hat. Es gibt eine große Sammlung von Kleidungsstücken und liturgischen Ornaten vom 12. bis 18. JH aus ganz Europa. Der Teil für die Arts Décoratifs ist mit sehr vielen Möbeln und Kunstgewerbe, vorwiegend aus dem 18. JH, ausgestattet.   Lyon gilt als Zentrum der Gastronomie - das französische Schlaraffenland - wir haben dort sehr gut gegessen.

Die Altstadt  ist berühmt für seine Traboules, das sind Durchgänge zwischen Häusern, die von Innenhof zu Innenhof führen, sogar durch Treppenhäuser oder über integrierte Fahrstühle.

In Uzès gibt es einen herzlichen Empfang für uns, und unsere französischen Freunde laden uns ein zu einem köstlichen Picknick an der Eure-Quelle mit Musik und Tanz. Regine Pascal verwöhnt uns mit einigen ihrer Chansons aus der Camargue, so dass wir  erst bei Einbruch der Dunkelheit notgedrungen das Feld räumen. Unser Hotel ist seit letztem Jahr modernisiert, und das Essen ist noch schmackhafter als in den Jahren davor.

Aigues-Mortes (totes Wasser) wirkt düster. Die Stadt  ist  umgeben von einer geschlossenen Stadtmauer mit Türmen, so dass sie  selbst von außen gar nicht zu sehen ist. Sie sollte dem Königreich von Ludwig dem IX. einen Zugang zum Mittelmeer ermöglichen, denn von dort aus ist er zum 7. und 8. Kreuzzug gestartet. Der Tour de Constance erhielt traurige Berühmtheit, denn dort haben jahrzehntelang Männer und Frauen (Hugenotten) für ihren Glauben gelitten und sind dort umgekommen.

Unser Picknick in Le Grau du Roi muß leider  wegen strömenden Regens unter dem Dach eines Supermarkts stattfinden. Aber lustig war's  und geschmeckt hat es auch.

Der vorletzte Tag in Uzès ist dem Pont du Gard gewidmet, ein Bauwerk, das uns immer wieder fasziniert und uns vor Augen führt, wie geschickt und genial die Baumeister im 1. Jh. gewesen sein mußten.

Samstags ist immer Markttag in Uzès, zum Abschluß sitzt die Austernfraktion wie jedes Jahr am Boulevard und labt sich an Wein und einer oder zwei oder sogar drei Portionen frischer Austern, direkt vom Händler gegenüber. Köstlich! A la prochaine!

Wir danken Claudia Ebert für die Ausarbeitung des Programms, die hervorragende Organisation und Führung und ihre persönliche Unterstützung in allen Lebenslagen.

Kulturfahrt 2010

Vor dem Mont St. Michel. Klick:Vergrößern
Rouen, Kathedrale
Rouen
Hafen von Honfleur
Kathedrale Jumièges (Kloster)
Picknick im Marais
Bayeux

Von Gaby SCHMITZ

Wieder haben wir einen weiten Weg vor uns, wie immer unter der kompetenten Leitung von Claudia Ebert,  dieses Mal in den Norden Frankreichs, in die Normandie. Nach einem fröhlichen Sektempfang erreichen wir auf dem Weg nach Rouen unser erstes Ziel, die frühgotische Kathedrale Notre Dame de Laon (erbaut 1155-1235), deren Fassade mit ihren durchbrochenen Türmen, der ersten Fensterrose der Gotik, mehreren Vorhallen und tiefen Mauereinschnitten eine filigrane Wirkung erzeugt. Eine absolute Rarität sind die Plastiken von 16 Ochsen zwischen den Säulen der Türme.

Rouen
Schon zur Zeit Karls des Großen begannen die Wikinger ihre Überfälle im Norden Frankreichs. Die Hafenstadt Rouen an der Seine wurde 841 überfallen und 70 Jahre später vom französischen König an Rollo, den Anführer der Wikinger, übertragen. Sie  wurde  Hauptstadt des neuen Herzogtums Normandie. Unter Rollo begann eine Blütezeit für Rouen. Während des Hundertjährigen Krieges wurde Jeanne d'Arc hier verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. An diesem Platz steht heute eine moderne Kirche, die ihr gewidmet ist. Sie enthält Kirchenfenster  aus der während des 2. Weltkrieges zerstörten Kirche St. Vincent aus dem 16. Jahrhundert. Diese und andere wertvolle Kirchenfenster wurden schon früh vor den ersten Angriffen der Deutschen in Sicherheit gebracht. Rouen war von Mitte 1940 bis Mitte 1944 von den deutschen Truppen besetzt und  somit Ziel ständiger Bombenangriffe, vor allem auf die Seinebrücken. Trotzdem sind noch sehr viele Fachwerkhäuser erhalten, die der Stadt ein besonderes Flair geben. In der Rue du Gros-Horloge gibt es besonders viele großartig restaurierte Fachwerkhäuser. Die Uhr selbst mit nur einem Stundenzeiger im reich verzierten goldenen Rahmen ist eine der Hauptattraktionen in Rouen.

Für Claude Monet war die gotische  Kathedrale von Rouen Objekt für seinen gleichnamigen Bilderzyklus. Im Chorumgang gibt es eine Reihe Grabdenkmäler, u.a. für die Mitglieder der Familie der normannischen Herzöge, eine Tumba für das Herz von Richard Löwenherz sowie für Rollo. Die Kathedrale ist ein Musterbeispiel der französischen Gotik. Nach einem Brand im Jahre 1200 wurde sie  wieder aufgebaut und in späteren Jahrhunderten weiter verschönert mit unzähligen Ziertürmchen und  Skulpturen. Nach den Zerstörungen im 2. Weltkrieg sind immer noch Restaurierungsarbeiten im Gange.

Unser traditionelles Picknick findet unter einer Seinebrücke statt, weil es ganz fürchterlich regnet. Wir lassen uns aber die Laune nicht verderben und genießen u.a. die leckeren Pasteten und Käse aus der Region und den mitgebrachten Rotwein aus dem Süden. Danach  muß unser Busfahrer wieder mal beweisen, dass er auch die schmalsten Strassen und engsten Kurven meistern kann. Von der Corniche Côte Ste. Cathérine (ein Kreidefelsen) bietet sich ein großartiger Blick über Rouen, das Seinetal und sein Umland. Wir besuchen die Basilika und  den Friedhof mit der großen Glocke, die zu schwer war für den Turm der Basilika von Bonsecours. Vor der bevorstehenden  Trauung werden Kleid und Schleier der Braut ganz schön durchgepustet von Wind und Regen aber mit Hilfe der Brautmutter schafft sie es doch unbeschadet in die Kirche.

Jumièges /Honfleur
Auf dem Weg nach Honfleur besuchen wir Jumièges, die schönste Klosterruine Frankreichs. Gegründet vom Hl. Philibert um 650  wurde das Kloster 841 und 856 von den Wikingern niedergebrannt. Erst ab dem 11. Jahrhundert wurde neu gebaut, 1067 die Notre Dame Abteikirche  in Gegenwart von Wilhelm dem Eroberer eingeweiht.Während der Revolution wurde das Kloster weitgehend zerstört und diente dann als Steinbruch.1852 wurde die Abtei privat gekauft und gesichert.Ein Frauenchor in einer Nische des Klosters umrahmt unseren Besuch musikalisch, so muß es sein. Die Sümpfe des Marais Vernier wurden durch Deiche halbwegs trockengelegt und stehen unter Naturschutz. Ste. Opportune de Mare ist ein langgezogenes Straßendorf, bekannt für den Obstanbau. Alles über Äpfel erfährt man dort im Maison de la Pomme.  Le Marais Vernier Village ist das schönste Dorf  mit Reetdachhäuschen, Apfelwiesen und Blumen. Hier machen wir natürlich Picknick, diesmal mit Cidre, Calvados und Pommeau,  vorgestellt von unserem bewährten mitreisenden Expertenteam.

Über die Wallfahrtskirche Notre-Dame-de Grâce an der Corniche Normande erreichen wir Honfleur, den schönsten Hafen der Normandie, Perle der Côte Fleurie, Künstlerkolonie, Zweitwohnsitz vieler betuchter Pariser. Bis ins 20. Jahrhundert war  Honfleur der wichtigste Hafen am Ärmelkanal. Erst die großen Ozeandampfer brauchten größere Häfen, wie sie dann  Le Havre bieten konnte. Der Maler Eugène Boudin ist hier geboren und Courbet, Sisley, Monet, Pissarro, Renoir und Cézanne kamen nach Honfleur um hier zu arbeiten und sich auszutauschen. Baudelaire  schrieb hier u.a. La danse macabre.

Die Häuser am Vieux Bassin entlang sind bunt und malerisch aneinandergereiht, oft  sehr schmal ? bis zu 2 Fenster breit aber 6-7 Stockwerke hoch. In der Altstadt beeindrucken schöne Stein- und Fachwerkhäuser, die Kirchen, vor allem Ste. Cathérine, die nach ihrer Zerstörung im 100-jährigen Krieg ganz in Holz wieder aufgebaut wurde, und die Salzspeicher. Endlich können wir nun auch die ersten köstlichen Austern und Schnecken bei schönem Wetter am Hafen geniessen.

Le Havre / Dives
Über ein Wunderwerk der Technik, die Brücke der Normandie, wegen ihrer Eleganz die Harfe der Mündung genannt, größte Schrägseilbrücke Europas mit einer Hauptspannweite von 856 m und 203 m hohen Pylonen gelangen wir nach Le Havre zum Musée Malraux mit der Ausstellung Eugène Boudin, einem Vorreiter der Impressionisten, der übrigens auch Claude Monet zum Malen überredete. Durch das luxuriöse Deauville, Trouville und Houlgate erreichen wir das bäuerliche Pays d'Auge mit  unzähligen unterschiedlichen normannischen Fachwerkhäusern, teilweise reetgedeckt, mit fruchtbaren Wiesen, Apfelbäumen und unzähligen glücklichen Kühen, von deren Milch die beste Butter Frankreichs gemacht wird.

Wir erreichen den kleinen Ort Dives, von dem Wilhelm der Eroberer 1066 nach England startete und  1067 als Dank für seinen Sieg die Eglise Notre Dame de Dives errichten ließ. In Beuvron en Auge, dem hübschesten Dorf der Gegend, finden wir trotz wolkenbruchartigem Regen am Office de Tourisme einen überdachten Platz für unser Picknick, und unser mitgereister Dirigent sorgt dafür, daß wir (fast) wie die Engel singen.

Bayeux
In Bayeux ist die berühmte über 70 m lange Tapisserie de la Reine Mathilde, ein Meisterwerk  aus dem 11. Jahrhundert, unser Hauptziel. Dieser Wandteppich schildert die Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer in lebendigen Bildern, gestickt auf Leinwand mit Wollgarn in verschiedenen Farben. Bayeux liegt nicht weit weg von den Stränden, an denen Engländer und Amerikaner in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 1944 landeten. Bayeux war die erste Stadt, die von ihnen befreit wurde. Sie wurde nicht zerstört, weil sich kaum deutsche Truppen dort aufhielten. Ein Ausflug an die Orte der Landung, Omaha Beach, Utah Beach usw. veranschaulicht die militärischen Vorgänge am D-day. Die Stadt Bayeux beeindruckt durch ihre Kathedrale im gotisch-normannischen Stil und vielen schönen Fachwerk- und Steinhäusern in der hübschen Altstadt. Unser Picknick findet diesmal hinter der Kathedrale statt,  mit Weinprobe, wie immer mit fachkundigen Erläuterungen unserer mitreisenden Experten.

Avranches/Mont St. Michel
Unser nächstes Ziel ist Avranches. Unterwegs besichtigen wir die Kathedrale von Coutances, auch ein Wegbereiter für die normannische Gotik. Avranches besticht durch viele sehenswerte historische Gebäude. Hier tat Heinrich II. von England 1172 Buße für den Mord an Thomas Beckett.

Der Mont St. Michel kommt immer näher. Schon den Kelten war der Felsen in der Bucht heilig, aber erst als  Bischof Aubert 708 in einer Vision der Erzengel Michael erschien, wurde  eine Kapelle errichtet, ca. 250 Jahre später ein Benediktinerkloster.1180 errichteten die Mönche einen karolingischen Kirchenbau. Im 12. JH wurden romanische Gebäude hinzugefügt, später prächtige gotische Bauten. Im Hundertjährigen Krieg begann der Niedergang des Klosters, während der Revolution dienten Berg und Kloster als berüchtigtes Gefängnis für bis zu 18000 Insassen. Erst ab 1836 wurde die Wiederherstellung des Klosters angedacht. Der Klosterberg ist inzwischen von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden und ist täglich Ziel von Tausenden von Besuchern und Pilgern.

Unser Hotel in Avranches überrascht uns dann am nächsten Morgen damit, daß es keinen Strom gibt, also auch kein warmes Wasser zur Morgendusche. In Alençon besuchen wir das Spitzenmuseum. Point d'Alençon ist eine gestickte Spitze, sehr fein, ungeheuer aufwendig und teuer (nicht zu verwechseln mit der Klöppeltechnik).Inzwischen gibt es aber auch sehr schöne industriell gefertigte Muster. Wir sind auch sehr zufrieden mit der französischen Expresspost, die das von einer Mitreisenden  im Hotel vergessene  Aufladegerät für ihr  Handy innerhalb von 2 Tagen in Alençon  übergeben hat. Merci! Unser Abschlußpicknick auf dem Nachhauseweg ist ein Fest, und wir landen glücklich  und sicher um Mitternacht in Schriesheim.

Unser Dank gilt Claudia Ebert für die hervorragende Vorbereitung der Reise, Leitung und Organisation unterwegs, Ingrid Gängel für die sehr schöne und informative Infomappe, allen die ihr Expertenwissen mit uns geteilt haben, den Einkäufern frischer Lebensmittel und denen, die für  genügend  Wasser, Wein, Cidre, Pommeau und Calvados sorgten, den Schnipplern und Spülern fürs Picknick, den Logistikexperten, den Koffer- und Tischen und Bänken Ein- und Ausladern. Und falls ich jetzt noch  jemanden vergessen habe bitte ich um Nachsicht.

 

Kulturfahrt 2009

Bilder vergrößern: Klick! Fotos: Waldenmayr

Bericht der Kulturfahrt 22.-30. Mai 2009.
Von Gaby Schmitz

Dieses Mal führt uns die Kulturfahrt über die Schweiz und die Savoyer Alpen nach Uzès.

In Gruyères, kurz vor Lausanne, besichtigen wir eine Käserei und erfahren, wie der Käse zubereitet wird. Selbstverständlich decken wir uns mit jeder Menge Gruyère für unsere Picknicks ein. Das kleine mittelalterliche Städtchen Gruyères mit seinem Schloss liegt praktisch oberhalb der Käserei. Unter den Grafen von Greyerz hatte der Ort Marktrecht und kam durch den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten um 1400 zum Höhepunkt seines Wohlstands.

Dann begrüßt uns Lausanne, Sitz des höchsten Schweizer Gerichts, des Internationalen Olympischen Komitees, einer der besten Hotelfachschulen, Universitätsstadt - eine Stadt der Superlative, entstanden aus  einer kleinen Keltensiedlung am See, die die Römer übernahmen. Die Stadt ist erstaunlich hügelig, und beim Rundgang durch die sehr reizvolle Altstadt, vor allem über die 160 Stufen der hölzernen Markttreppen, zum Domplatz auf dem Hügel La Cité  gerät der eine oder andere schon mal aus der Puste. Die Kathedrale selbst gilt als das wichtigste und schönste gotische Bauwerk der Schweiz. Nach 2 Vorbauten um 800 und um 1100 entstand ab ca.1170 der neue Bau. Geweiht wurde sie 1275 in Anwesenheit von Papst Gregor X und  König Rudolf von Habsburg. Der wertvollste Besitz ist eine 9 m hohe Fensterrose mit Glasmalereien (ca. 1235), eine Darstellung der damals bekannten Welt: Erde, Meer, Luft und Feuer, Monate und Sternzeichen, sowie Ungeheuer, die am Rande der Welt lauern. Anlässlich der Reformation wurde viel verändert, z.B. wurden alle Wandmalereien überstrichen, die erst Anfang des 20. Jh. wieder freigelegt wurden. Die Sammlung der l'Art Brut in Lausanne wurde begründet durch eine Schenkung von Jean Dubuffet an die Stadt. Es sind originelle, bizarre Gemälde, Zeichnungen, Stickereien, Skulpturen aus den verschiedensten Materialien ? sehr sehenswert.

Ab Nyon fahren wir am See entlang, bewundern die Berge gegenüber und bedauern, daß wir  uns keines dieser schönen Anwesen am See genauer anschauen und evtl. einen Blick auf eine Berühmtheit dieser Erde  erhaschen  können. Beim Picknick am Waldesrand entdecken wir ein großes Feld wilder Erdbeeren, ein hervorragender und gesunder Nachtisch.

Die Abtei Hautecombe am Lac du Bourget in Savoyen (wir sind jetzt in Frankreich), im 12. Jh. von Graf Amadeus von Savoyen gegründet, von Zisterziensern aufgebaut und später von Benediktinermönchen geführt, ist Grablege der Savoyer Grafen, auch von Beatrix von Savoyen, die in zweiter Ehe mit König Manfred von Sizilien,  einem natürlichen Sohn des Kaisers, verheiratet war, und deren Tochter Konstanze Peter III. König von Aragon heiratete. Damit begründete das Haus Savoyen seine weitreichenden Verbindungen zu den Herrscherhäusern  in Europa. Die Bewohner Savoyens weisen (auch uns, mehrfach) darauf hin, daß Savoyen immer Französisch orientiert war und nie zu Italien gehörte.

Über Aix-les-Bains mit Kurzbesuch im edel gestalteten Spielcasino geht es nach dem Picknick weiter nach Annécy, einem der schönsten Orte der französischen Alpen. Der See war bis in die 50er Jahre total verschmutzt, wurde dann aufwändig saniert und ist heute der sauberste See Europas. Annécy selbst wird das Venedig Savoyens genannt, denn der Fluß Thion und der Vassé-Kanal durchziehen die hübsch sanierte Altstadt. Im 13.Jh.  lassen sich hier die Grafen von Genf nieder, während der Reformation flieht der Genfer Erzbischof dorthin, der Hl. Franz von Sales erhebt die Stadt zum Bischofssitz, und Annécy wird zum ?Rom der Savoyer?. In der Wallfahrtskirche Basilika de Visitation werden Reliquien des Hl. Franz von Sales und der Hl. Johanna Franziska von Chantal aufbewahrt. Ein berühmter Bürger der Stadt war auch Jean-Jacques Rousseau, der hier durch eine mütterliche(?) Freundin zum katholischen Glauben zurückfand.

Auf der Fahrt nach Chambéry durch die Berge schafft unser Busfahrer jede noch so enge Kurve und in den Fels gehauene Tunnel während wir die schneebedeckten Gipfel der Alpen gegenüber bewundern. Im Rahmen unseres Picknicks veranstalten dann unsere mitreisenden Weinexperten eine Weinprobe mit selbst ausgesuchten Savoyer Weinen, ganz ?comme il faut?. Unser Rundgang in Chambéry beginnt bei der Fontaine des Eléphants, wir gehen vorbei am welt(?)größten Theater im italienischen Stil zur Kathedrale mit seiner seltenen Gewölbeform und ausgedehnten (6000 m²) trompe l'oeil Malereien, besichtigen das Labyrinth von  Gässchen hinter den bunten Häuserfassaden, das Portail St. Dominique und das Schloß bevor wir uns vor einem  starken Regen in ein Café flüchten.

Ferdinand Cheval und sein Palais Idéal in Hauterives ist unser nächstes Ziel.27 Jahre lang sammelte  der Briefträger Cheval Steine und baute damit seinen Steinpalast, der teilweise an orientalische Tempel erinnert, mit Götterstatuen, Tieren, Treppen, Höhlen und Inschriften aller Art, fast eine Architektur der Sehnsucht nach Unsterblichkeit.

Unsere zweite Heimat Uzès hat uns nun wieder: Für alle Interessierten gibt es eine Führung durch die Stadt, dann geht es nach Avignon. Eine dicke Stadtmauer umgibt die  größte noch erhaltene Altstadt Frankreichs. Der Papstpalast ist Anziehungspunkt für einen Teil unserer Gruppe, die anderen interessieren sich mehr für die Stadt.

Am Abend bereiten uns unsere Freunde aus Uzès wieder einen herzlichen Empfang mit Musik, Wein und Couscous. Der große Auftritt unseres Chors und die Solisten aus Uzès werden viel beklatscht. Es wird getanzt, gegessen und getrunken. Wir amüsieren uns köstlich und sagen auf diesem Wege: Merci et Au Revoir.

Der nächste Tag führt uns nach Les Baux, allerdings nur in die Cathédrale d'Images, ein ehemaliges Kalksteinbergwerk, das wie eine Kathedrale wirkt. Hier  gibt es dieses Jahr eine sehr beeindruckende Licht- und Tonpräsentation über Picassos Werk. Überlebensgroß werden seine Werke nach Themen geordnet auf alle Wände der Höhle projiziert. Die musikalische Untermalung ergänzt und unterstreicht die Emotionalität der Bilder.  Beim Abendessen im wunderschönen alten Bahnhof von Uzès gibt es neben einer exzellenten Vorspeise und einem köstlichen Nachtisch viel Gelächter. Die Methode wie man Gummitäubchen ißt, wird sicher noch länger diskutiert.

Am Abreisetag besuchen wir wie üblich den Markt, der diesmal wegen des Pfingstwochenendes noch voller ist als sonst. Die Austernfraktion kommt trotzdem auf ihre Kosten. Die Rückfahrt mit Abschlußpicknick ist problemlos und dank der vielseitigen Unterhaltung durch unseren Busfahrer sehr fröhlich. Also danke an ihn, an alle Helfer, die Einkäufer, die Schnippel-, Spül- und Wasserträgergruppe, die pains-de-glace-Auswechsler, unserem Logistikexperten, Ingrid Gängel für die Infomappe und natürlich Claudia Ebert für die hervorragende Organisation und Führung.